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Nach Corona-Ausbruch in Katalonien: "Zurückkehrende Touristen sollten sich selbst isolieren"

Der leitende belgische Virologe Marc Van Ranst hat jeden, der vor kurzem die spanische Ferienregion Segrià in Katalonien besucht hat, wo eine erneuter Lockdown angeordnet wurde, zur Selbstisolierung gedrängt.  Der Virologe weist darauf hin, dass in diesem Teil Kataloniens das Infektionsrisiko 35 Mal höher liegt als in Belgien.  "Die Situation ist schlimmer als bei der Rückkehr der Belgier vom Skiurlaub in Italien. Damals wussten wir noch nicht, dass jemand infiziert war", fügt Prof. Van Ranst hinzu. Gesundheitsministerin Maggie De Block drängt Belgier, die aus der Region zurückkehren, ebenfalls, sich testen zu lassen und ihre Wohnung nicht zu verlassen.

Die katalanischen Behörden haben für 200.000 Menschen in und um die Stadt Lleida (Lerida), 150 km westlich der Hauptstadt Barcelona, nach einem Aufflammen des Coronavirus einen erneuten Lockdown angeordnet.

Um diesen neue Krisensituation einzudämmen, wird der Zugang zur Region eingeschränkt, Versammlungen von mehr als zehn Personen verboten, und der Besuch von Seniorenheimen ausgesetzt. Die Bewohner der Region dürfen aber nach wie vor ihre Häuser verlassen. Auch Geschäfte und Restaurants bleiben geöffnet. Aber niemand darf das Gebiet betreten oder verlassen. Die Stadt Barcelona liegt nicht in der Region, die jetzt wieder gesperrt werden muss.

Alle zurückkehrenden Touristen sollten besonders wachsam sein

Professor Marc Van Ranst

Prof. Van Ranst erklärte über Twitter, jeder, der kürzlich aus dem Gebiet zurückgekehrt sei, solle unter Quarantäne gestellt und getestet werden, wenn auch nur die geringsten Krankheitssymptome auftreten. Van Ranst wiederholte erneut, er halte es für verfrüht, schon Urlaub im Ausland zu machen.

"Wir müssen die genaue Zahl der Landsleute in dem Gebiet sowie derer, die zurückgekehrt sind, feststellen. Der Ausbruch konzentriert sich auf vier Obstbaubetriebe, aber es wurden auch Infektionen in einer Jugendherberge und in einem Seniorenheim festgestellt.  Alle zurückkehrenden Touristen sollten besonders wachsam sein".  

Wird es eine Quarantäne-Pflicht geben? Und was ist mit den Reisehinweisen?

Es ist noch nicht klar, ob eine solche Zwangsquarantäne tatsächlich angeordnet wird. Laut Mitarbeitern von Belgiens Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) gäbe es dafür "keine rechtliche Grundlage". Sie werde prüfen, was als nächstes getan werden muss.

Belgier, die aus der Gegend um die Stadt Lérida in Katalonien zurückkehren, sollten sich nach ihrer Heimkehr aber vom Hausarzt testen lassen, erklärte die Gesundheitsministerin. "Ich habe Anweisung gegeben, dass Touristen, die mit dem Auto zurückkehren, ihren Hausarzt um einen Test bitten können", sagt sie gegenüber VRT NWS. "Bis sie die Ergebnisse dieses Tests haben, sollten sie den Kontakt mit anderen vermeiden und in ihrer Wohnung bleiben. Das ist wirklich wichtig. Diejenigen, die mit dem Flugzeug zurückkehren, werden am Flughafen den gleichen Rat erhalten".

Bisher ist dies nur  ein ausdrücklicher Aufruf von De Block. "Im Moment gibt es keine rechtliche Grundlage, um eine Quarantäne zu erzwingen", sagte sie. "Aber wir müssen doch vermeiden, wieder in Gefahr zu geraten. Ich möchte feststellen, dass dies unsere gemeinsame Verantwortung ist".

"In der betroffenen Region Kataloniens hat das Virus sehr viel Sauerstoff erhalten. Es ist sehr gefährlich, es wieder hierher zu bringen. Wer positiv testet, ist ansteckend und muss die üblichen Quarantäneregeln einhalten".

Auch die Reisehinweise werden angepasst. "Spanien bekommt statt Grün, die Farbe Oranges", so klingt es für das Außenministerium. "Diese Region wird nicht mehr zugänglich sein."

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