Sozialabkommen: 6 % mehr Lohn für das Pflegepersonal in Belgien

Die belgische Bundesregierung investiert in den kommenden beiden Jahren 500 Mio. € in Lohn- und Gehaltserhöhungen für das Personal im Pflegebereich im hiesigen Krankenhauswesen. Dieses Vorhaben wurde mit den Sozialpartnern vereinbart. Das bedeutet für die Mitarbeiter im hiesigen Pflegesektor eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 6 %. Weiter will die Regierung im gleichen Zeitraum weitere 100 Mio. € in bessere Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal investieren. 

Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) hatte vor einigen Wochen und nach Protesten im Pflegebereich angekündigt, dass bis zum 21. Juli ein Sozialabkommen für den Pflegesektor stehen würde. Es sieht so aus, als ob das klappen würde. Der Sozialplan beinhaltet 6 % mehr Lohn für das Personal und Investitionen in bessere Arbeitsbedingungen, z.B. in stabilere Dienstpläne.

Jetzt konnten sich die Gesundheitsministerin und ihre Kollegin aus dem Ministerium für Arbeit, Nathalie Muylle (CD&V), mit den Gewerkschaften und den Arbeitgebern auf einen entsprechenden Plan mitsamt Finanzrahmen einigen: 600 Mio. € innerhalb der kommenden beiden Jahre.

Unterschiedliche Lohnerhöhungen

Dieser Plan wird jetzt den Arbeitgeberverbänden und der Gewerkschaftsbasis vorgelegt, um noch vor der parlamentarischen Sommerpause durch die entsprechenden Instanzen zu bringen. Die Lohnerhöhungen können unterschiedlich ausfallen, je nach Bereich und/oder Betriebszugehörigkeit. Für die einen wird es 4 bis 5 % mehr Einkommen geben und für andere bis zu 8 bis 9 %, so Arbeitsministerin Muylle.

Im Bereich der besseren Dienstpläne, die familienfreundlicher und sozialer werden sollen, wird es auch zu mehr Urlaubstagen kommen und zu einer Verlängerung der Sommerferien. Bisher durften Mitarbeiter im Pflegesektor in Belgien nur zwei Wochen Urlaub auf einmal nehmen. Das wird jetzt auf drei Wochen verlängert.

Weitere Bereiche

Dieses Maßnahmenpaket rund um Gehaltserhöhungen und um Investierungen in bessere Arbeitsumstände kommt zusätzlich zum sogenannten „Pflegepersonalfonds“ von jährlich 400 Mio. €, das bereits Zustimmung vom belgischen Bundesparlament erhalten hat. Hier geht es um die Finanzierung von zusätzlichem Personal in diesem Bereich - bis zu 4.000 neue Mitarbeiter. Die Rede ist hier von „mindestens einem Personalmitglied pro Schicht im Dienstplan“.

Länder und Regionen sind ebenfalls gefragt

Dieses neue Sozialabkommen gilt für das Krankenhauspersonal. Für den Bereich Senioren- und Pflegewohnheime sind Länder und Regionen zuständig. Diese stehen jetzt unter Druck, um einen ähnlichen Sozialplan für das betroffene Personal zu verhandeln. Das betrifft alleine im belgischen Bundesland Flandern rund 130.000 Beschäftigte. 

Von Seiten der flämischen Regierung hieß es dazu am Mittwoch, dass man hoffe, auf dieser Ebene „ein Abkommen bis gegen Jahresende“ abschließen zu können. Konkrete Summen wurden bei einem ersten Treffen der Sozialpartner nicht genannt. Aus Gewerkschaftskreisen war zu vernehmen, dass man die Sache „vorsichtig positiv“ sehe… 

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