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"Rot", "orange", "grün": Reisewarnung der belgischen Behörden stößt auf Kritik und Zustimmung

Die belgische Bundesregierung und die Regionen des Landes wollen angesichts der Sommerferien vermeiden, dass Urlauber, die aus Corona-Risikogebieten zurückkehren, Covid-19 hier wieder verbreiten. Deshalb soll mit einem System von Farbcodes gearbeitet werden. Dieses in manchen Medien „Reise-Ampel“ genannte System arbeitet mit den Farben „rot“, „orange“, „grün“. Bei den einen wird diese Vorgehensweise als zu unklar kritisiert, bei den anderen wird sie verhalten begrüßt.

Nur drei europäische Regionen erhalten Code „rot“

Am späten Donnerstagnachmittag gab das belgische Außenamt bekannt, welche Regionen die Bundesregierung als am höchsten risikoreich empfindet. Das sind letztendlich vorläufig nur drei Regionen: Lissabon, die Hauptstadt von Portugal und die spanischen Ortschaften A Mariña (Galizien) und Lleida (Katalonien). Reisende, die von dort nach Belgien (zurück)kommen, müssen sich bei ihrer Ankunft in Quarantäne begeben und sollten sich Coronatests unterziehen.

Der Reisesektor, Arbeitgeber und der Verbraucherschutzverband „Test Aankoop/Test Achats“ sind der Ansicht, dass diese „Reise-Ampel“ nicht deutlich genug ist. Klar seien die Farben „rot“ für Regionen mit einem „hohen Ansteckungsrisiko“ und „grün“ für Regionen, in denen das Coronavirus nicht für Probleme sorgt. Doch „orange“ für Gebiete mit einem „hohen Gesundheitsrisiko“ ist den Kritikern zu vage.

Arbeitgeber, deren Mitarbeiter beruflich ins Ausland reisen müssen, stellen sich die Frage, was geschieht, wenn man in eine Gegend mit „hohen Gesundheitsrisiko“ begeben muss. Sie stellen sich auch die Frage, was passiert, wenn sich ein Mitarbeiter weigert, in eine als „rote“ oder „orange“ gekennzeichnete Gegend zu fahren. Reisebüros und auch Fluggesellschaften können viele Fragen ihrer Kunden, die bereits Reisen gebucht haben oder noch buchen wollen, nicht konkret beantworten.

Code „orange“ besser nicht gebrauchen

Die Verbraucherschützer von Test Aankoop empfehlen, dass die Farbe „orange“ aus dem System entfernt wird. „Rot“ und „grün“ seien klar und deutlich. Daran könne man erkennen, ob man in eine bestimmte Region, Stadt oder Gegend, bzw. in ein bestimmtes Land reisen kann oder dies besser bleiben lässt. Eine weitere Frage ist die, was passiert, wenn sich eine Familie in eine als „orange“ gekennzeichnete Gegend in Urlaub begibt und dort kommt es zu einem Aufflackern des Virus und die belgischen Behörden schalten inzwischen auf „rot“.

Problematisch ist auch, dass die Umsetzung der nach der Rückkehr aus gefährdeten Gegenden erforderlichen Tests und die Quarantäne-Verpflichtung bzw. die Ahndung von Sanktionen bei Nichtbeachtung der Auflagen, in Belgien Ländersache ist.

Reisewarnungen sind nützlich

Virologen und Epidemiologen in Belgien halten die Einführung eines Systems für Reisewarnungen in diesen Coronazeiten für eine gute Sache, auch wenn diese etwas rasch und unüberlegt eingeführt wird.

Die meisten von ihnen sind übrigens der Ansicht, dass es derzeit eher keine gute Idee ist, die Ferien im Ausland zu verbringen. Sie appellieren an die Regierung, eine Liste bzw. eine Karte mit den gekennzeichneten Risikoländern oder -regionen schnell zu veröffentlichen. An dieser Liste, die im Laufe des Donnerstags auch in Deutsch auf der Webseite des belgischen Außenamtes erscheinen soll, arbeitete auch das staatliche Gesundheitsamt Sciensano mit. 

Versicherungsschutz bei Aufenthalt in einer „roten“ Region?

Inzwischen stellt sich auch die Frage, inwiefern Reiseversicherungen greifen, falls Urlauber aus Belgien in Risikoregionen reisen. Krankenkassen geben an, dass sie greifen, wenn bei ihnen versicherte Urlauber abreisen, bevor die Regierung Code „rot“ für die jeweilige Gegend erlässt. Beim belgischen Autofahrerverband Touring hingegen ist man nicht versichert und muss bei Krankheit oder Unfall selbst versuchen, in die Heimat zurückzukehren. Das trifft hier aber nur bei „roten“ Zonen zu und nicht bei „orange“, so Touring dazu. 

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