Deutlich mehr Menschen in Belgien auf Tafeln und Lebensmittelbanken angewiesen

Alleine im Juni haben sich in unserem Land rund 195.000 Menschen bei der einen oder anderen Tafel gemeldet, um sich dort mit Lebensmitteln zu versorgen. Nach einer Meldung der flämischen Sonntagszeitung De Zondag ist dies ein Anstieg um 15 % gegenüber dem gleichen Monat letztes Jahr. Offenbar setzt die Coronakrise vielen Haushalten finanziell dermaßen zu, dass auf Dauer noch Schlimmeres befürchtet wird.

Seit Ausbruch der Corona-Epidemie melden sich in Belgien monatlich bis zu 195.000 Menschen bei den Lebensmittelbanken, um überleben zu können. Diese Gesundheitskrise mit ihren wirtschaftlichen Auswirkungen auch und gerade auf den Arbeitsmarkt drängt auch hierzulande stets mehr Menschen und Haushalte in die Armut.

Beim belgischen Verband der Lebensmittelbanken und Tafeln beobachtet man die Entwicklung, die sich derzeit abspielt, mit großen Sorgen und geht davon aus, dass sich die Lage ab Herbst weiter zuspitzen wird. Vor allem dann, wenn die Kurzarbeitsregelung innerhalb der staatlichen Corona-Maßnahmen ausläuft, werden nicht wenige Arbeitnehmer wohl definitiv arbeitslos, was bei Geringverdienern zu echten sozialen Problemen führen wird.

Unter denen, die sich erst seit Ausbruch der Coronakrise bei diesen Einrichtungen melden, sind offenbar schon jetzt viele Kurzarbeiter und eher jüngere Menschen, die notgedrungen durch Covid-19 zu Hause sitzen und nicht arbeiten können - bei entsprechendem Einkommensverlust. Um dann die laufenden Miet- und Nebenkosten zu begleichen bzw. einen Kredit abzuzahlen, ist Geld da, doch um Lebensmittel und/oder Hygieneartikel zu kaufen, bleibt nicht mehr viel übrig.

Die dadurch entstehenden Mehrkosten für die Tafeln werden derzeit über Spenden und andere Zuwendungen finanziert. Noch ist die Spendenbereitschaft und die durch Corona ausgelöste Solidarität groß, so der Verband. Doch die Frage ist, wie lange das anhalten wird.

Bange wird hier auf den Herbst gewartet, wenn sich in einigen Bereichen die wirtschaftlichen Folgen dieser Krise effektiv zeigen werden. Dann brauchen die Tafeln deutlich mehr Geld, denn wenn die Zahl der Bedürftigen anhaltend 15 % über dem „normalen“ Bedarf stehen bleibt, drohen hierzulande Engpässe über deren Folgen man gar nicht erst nachdenken mag. 

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