Corona-Experten im flämischen Landesparlament: „Kein einheitliches Kommando“

Die führenden Corona-Experten Erika Vlieghe, Marc Van Ranst und Herman Goossens äußerten sich am Dienstag gegenüber den Fraktionen im flämischen Landesparlament zur Handhabe der Coronakrise. Dabei schlussfolgerten die, dass diese Gesundheitskrise Probleme zutage geführt habe, die noch nicht behoben seien. Deshalb sehen sie einer möglichen zweiten Welle der Epidemie besorgt entgegen. 

Die Virologin Erika Vlieghe, die die GEES-Expertengruppe zur Exit-Strategie der belgischen Bundesregierung leitet, der Virologe Marc Van Ranst, Mitglied dieser Expertengruppe, und der Mikrobiologe Herman Goossens machen sich Sorgen über eine mögliche zweite Welle der Epidemie. Dies machten sie am Dienstag einmal mehr deutlich, als sie darüber Auskunft im flämischen Landesparlament gaben.

Vor allem die Tatsache, dass Belgien in diesem Zusammenhang nicht „unter einem Kommando“ gehandelt habe, brachte Probleme mit sich. Es gibt nach Ansicht der Covid-19-Experten in Belgien zu viele unterschiedliche Zuständigkeiten in Bund und Ländern. Belgien arbeitet mit insgesamt 9 Gesundheitsministern in Bund, Ländern und Regionen, was die Sache nicht einfach gestaltet - eher im Gegenteil.

„Zu viele Niveaus, zu viele Ausschüsse… Es gab und es gibt noch immer kein einheitliches Kommando“, sagte Virologe Marc Van Ranst dazu. Dessen Kollegin Erika Vlieghe ergänzte: „Wir haben eine sehr gute Vorbereitung auf die zweite Welle nötig. Da wird auch hart dran gearbeitet. Doch schon wieder stolpern alle in die Falle: Wer kann was und auf welcher Ebene beschließen? Auf der Brücke muss ein Kapitän stehen.“

Mikrobiologe Herman Goossens ist der Ansicht, dass die zweite Coronawelle kommen wird. Davon müsse man nach derzeitigem Stand der Dinge ausgehen. Dem entsprechen auch die anderen beiden Fachleute. Die Gesellschaft öffne sich wieder und es werde gefeiert, als ob nichts geschehen sei, so der Tenor der Corona-Experten.

Neben der Tatsache, dass es Probleme durch zu viele unterschiedliche Entscheidungsebenen in Belgien gibt, muss man sich laut Vlieghe, Van Ranst und Goossens auch Sorgen über andere Dinge machen. Der Antwerpener Mikrobiologe nennt zum Beispiel die Materialfrage bzw. den Mangel an Corona-Testern, an Reagenzmaterial und an Laborkapazitäten. Ein weiterer Kritikpunkt ist auch die Tatsache, dass das „Contact Tracing“ zu schlecht und zu langsam funktioniere.

Hier und in weiteren Bereichen müsse eine einheitliche Struktur entscheiden und dies mit den entsprechenden finanziellen Mittel: „Wir werden doch nicht über einige Millionen Euro diskutieren, wenn man vergleicht, was ein zweiter Lockdown kostet?“ Goossens ist der Ansicht, dass man einen Weg suchen sollte, über den sich die Menschen im Land selbst testen können, damit dies nicht weiter Ärzte und Pfleger übernehmen müssen. 

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