Wie Flandern den Wiederaufschwung nach Corona hinbekommen will

Die flämische Landesregierung hat im Zuge der Corona-Gesundheitskrise unabhängigen Fachleuten den Auftrag gegeben, zu prüfen, wie man nach dieser Coronakrise das Land und die Gesellschaft wieder in Gang bringen kann. Zwei Ausschüsse wurden dazu ins Leben gerufen. Einer beschäftigte sich mit wirtschaftlichen Fragen und ein weiterer mit gesellschaftlichen Themen. Jetzt legten diese Experten ihre Empfehlungen vor, mit denen die Landesregierung arbeiten will.

Eines ist sicher, auch für die Fachleute aus diesen Expertengruppen und auch für die flämischen Landespolitiker. So weitermachen, wie bisher, also in der Pre-Coronazeit, wäre eine verpasste Chance. Auf Basis der Empfehlungen der beiden Fachgruppen soll Flandern den Wiederaufschwung nach dieser Krise offensiv angehen und zielgerichtet in die Zukunft schauen. Nur so könne ein nachhaltiger Durchbruch geschafft werden.

"Gesellschaft besser machen"

„Ein Lockdown ist am einfachsten. Ein Exit ist viel schwieriger. Ein Wiederaufschwung ist noch schwieriger. Doch das Bessermachen einer ganzen Gesellschaft ist das schwierigste“, sagte Lieven Annemans, der Gesundheits-Volkswirt, der das gesellschaftliche Komitee leitete: „Wir haben während Corona eine bisher nie erlebte digitale Beschleunigung gesehen, doch wir haben auch bemerkt, dass dabei nicht jeder mitgekommen ist.“

Annemans kommt zu dem Schluss, dass die schwächsten Bevölkerungsgruppen in unserer Gesellschaft am stärksten von der Krise betroffen sind. Die flämische Landesregierung müsse sich dem stellen, so dessen Ausschuss. Das bedeutet z.B., dass jedes Kind einen Computer und Internetanschluss haben muss, damit Unterricht von zu Hause aus für alle möglich ist.

"Nicht einfach wieder zur Tagesordnung zurückkehren"

Ähnlich sieht dies auch Prof. Koenraad De Backere, der Vorsitzende des Wirtschafts-Komitees: „Wir brauchen dringend Veränderungen. Wir können nicht einfach so wieder zur Tagesordnung zurückkehren.“ Sein Ausschuss plädiert für u.a. einen anderen Umgang mit Kurzarbeit und mit den Arbeitslosen im Allgemeinen, denn der Arbeitsgrad in Flandern muss verbessert und mindestens auf 80 % der aktiven Bevölkerung angehoben werden.

Dazu gehört auch eine modernere Form von Kinderbetreuung, damit die Eltern flexibler arbeiten können. Flandern soll in Zukunft zu den drei produktivsten Regionen in der EU werden und so bald wie möglich nur noch mit einem ausgeglichenen Landeshaushalt arbeiten.

Gesundheit, Mobilität, Klima

In einigen Punkten sind sich beide Ausschüsse einig. Flandern muss die Lage in den Senioren- und Pflegewohnheimen deutlich verbessern und den dort lebenden Menschen einen angenehmeren Aufenthalt bieten. Dazu gehört auch eine Modernisierung der Arbeitsweise, die dem dort tätigen Personal zugutekommen müsse. Diese Wohnheime waren in der Spitzenzeit der Krise am schwersten betroffen…

Und, Flandern braucht eine ambitioniertere Klima- und Mobilitätspolitik. Während der Epidemie seien die Verkehrsstaus verschwunden und viele Arbeitnehmer hätten nach alternativen Verkehrsmitteln gesucht, wie z.B. Radfahren… Nicht zuletzt haben internationale Fachleute herausgefunden, dass es einen Zusammenhang zwischen Umwelt- und Luftverschmutzung und der Erkrankung an Covid-19 gibt.

200-Punkteplan

Die Experten legten einen 200-Punkteplan vor, mit dem eine zweite Coronawelle vermieden und ein vernünftiger Wiederaufschwung nach der Krise geschafft werden kann. Die Landesregierung gab an, im September „mit einem eigenen Plan zu landen, der mit dem Landeshaushalt zu finanzieren ist.“ 

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