Durchschnittlich 100 Neuinfektionen pro Tag: Virologin Vlieghe nennt die Entwicklung sehr besorgniserregend

Vom 6. bis 12. Juli haben sich jeden Tag durchschnittlich 100 Personen mit dem Corona-Virus infiziert. Das ist ein Anstieg von 12 Prozent im Vergleich zum Zeitraum zwischen dem 29. Juni und 5. Juli. Erika Vlieghe, Virologin und Vorsitzende der Expertengruppe, die den nationalen Sicherheitsrat berät, beklagt, dass nicht genug Daten über die Entwicklung erhoben werden.

Zum achten Mal in Folge ist die durchschnittliche Anzahl Neuinfektionen pro Tag über einen Zeitraum von sieben Tagen gestiegen. In Prozenten umgerechnet beträgt der Anstieg der neu infizierten Personen 12 Prozent. 

Die Neuinfektionen werden insbesondere in den Provinzen mit größeren Städten festgestellt. In Antwerpen wurden 172 neu Infizierte registriert, in Westflandern 107, in Limburg 74, in Flämisch-Brabant 51, in Lüttich 47, in Luxemburg 22 und in Wallonisch-Brabant 19. Die meisten neuen Infektionsfälle werden innerhalb der erwerbstätigen Bevölkerung (20-59 Jahre) festgestellt.

Die Anzahl der bestätigten Corona-Infektionen in Belgien ist mittlerweile auf 63.039 gestiegen.

Zwischen dem 6. und 12. Juli wurden durchschnittlich 10 Patienten pro Tag in ein Krankenhaus eingeliefert: ein Rückgang von 7 Prozent im Vergleich zum vorigen Zeitraum (29. Juni bis 5. Juli).

Am 15. Juli lagen 150 Personen mit einer Covid-19-Infektion im Krankenhaus. Das waren 9 Prozent weniger als Mittwoch vor acht Tagen. 27 Patienten mussten auf der Intensivstation versorgt werden (-16 %).

Vom 6. bis 12. Juli wurden durchschnittlich 2 Corona-Sterbefälle pro Tag gemeldet (-46 % im Vergleich zum Zeitraum zwischen dem 29. Juni und dem 5. Juli). Insgesamt sind 9.792 Menschen in Belgien mit einer Corona-Virusinfektion gestorben.

Virologin macht sich große Sorgen über die permanente Präsenz des Virus

Die meisten Neuinfektionen werden zurzeit in den Provinzen Antwerpen, Limburg und Lüttich festgestellt: „Auch in den Vororten von beispielsweise Antwerpen tauchen mehr Fälle auf. In Limburg und im Süden von Westflandern ist das Corona-Virus permanent anwesend. Das ist besonders besorgniserregend.“

„Wir dürfen nicht länger zögern und brauchen kurzfristig viel mehr Informationen über das, was wir wissen und nicht wissen, damit wir eingreifen können. Wir haben nicht viel Zeit, um Maßnahmen zu ergreifen“, sagt die Vorsitzende der GEES, die Expertengruppe, die den nationalen Sicherheitsrat über Maßnahmen und Lockerungen in der Corona-Krise berät.

Erika Vlieghe plädiert für einen entschlosseneren Ansatz beim Kontakt-Tracing. „Es sind nicht nur die Kontakte, die erfasst werden müssen, wenn eine Person sich infiziert hat, sondern auch ihre Tätigkeiten. Es muss nach den Hobbys, dem Arbeitsplatz, dem Urlaubsort gefragt werden.“

Darüber hinaus muss genug Personal vorhanden sein, um echte Detektivarbeit zu leisten. 

Bio-Statistiker Molenberghs: vielleicht der Anfang einer zweiten Infektionswelle

Diese Meinung teilt der Bio-Statistiker Geert Molenberghs von der KU Leuven und UHasselt: „Zurzeit entwickeln sich mehrere Brandherde. Wir müssen mit den Betroffenen vor Ort reden und dafür sorgen, dass mit dem Virus infizierte Personen behandelt werden.

Laut Molenberghs kann es sich tatsächlich um den Anfang einer zweiten Welle handeln, aber diese kann noch abgewendet werden: „Wir müssen alles tun, damit es ein lokal begrenztes kleines Aufflackern bleibt und nicht eine zweite Welle ausgelöst wird.“

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