Kein klares Bild der Infektionsherde, lokale Behörden nehmen selbst Initiativen, um genauere Daten zu erhalten

Nachdem die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder ansteigt und verschiedene Provinzen  besonders betroffen sind, wachsen die Kritik und die Frage nach vollständigen und zuverlässigen Daten. Die jüngsten Corona-Statistiken haben ergeben, dass Antwerpen, Limburg und Lüttich von dieser Entwicklung besonders betroffen sind. Wo aber genau die neuen Infektionsherde liegen oder welche Menschen mehr als andere betroffen sind, weiß niemand. Die Antwerpener Provinzgouverneurin Cathy Berx hat die Gesundheitsinspektion selbst um genauere Daten gebeten, jedoch keine schlüssigen Antworten erhalten. 

Weil das Aufflackern der Corona-Epidemie nicht genau eingegrenzt werden kann, wird die Kritik am Management der Gesundheitskrise immer lauter. Neben der Virologin und Vorsitzenden der Expertengruppe Erika Vlieghe hat auch der Professor für Epidemiologie Pierre Van Damme auf den Alarmknopf gedrückt. Der Professor fordert genauere Daten über lokale Infektionsherde und die Gründe, warum sich Menschen in einem bestimmten Gebiet anstecken.

In Antwerpen hat die Provinzgouverneurin Cathy Berx bei den Gesundheitsinspektoren der Behörde Zorg en Gezondheid angeklopft. Die Behörde ist u. a. für das Kontakt-Tracing verantwortlich und hat die Patientendaten jetzt genauer analysiert. Auch die Hausärzte in der Provinz Antwerpen wurden befragt, um herauszufinden, ob bestimmte Stadtviertel mehr betroffen sind als andere.

Trotzdem genügen die erhaltenen Daten nicht, um beispielsweise Maßnahmen für eine bestimmte Gruppe oder ein bestimmtes Viertel zu ergreifen.

Callcenter für Personennachverfolgung ist eine Schwachstelle im System

Laut des Sprechers der Behörde „Zorg en Gezondheid“ Joachim Moonens ist die Kritik an der Arbeit des Callcenters gerechtfertigt. „Es werden zwar viele Patienten kontaktiert, aber noch längst nicht alle.“

Außerdem sei die Erhebung zu oberflächlich und es werde nicht gründlich genug nachgefragt, wo und unter welchen Umständen ein Patient sich angesteckt habe. Auch die IT-Systeme seien noch nicht alle voll funktionstüchtig. Die Aktivität des Callcenters muss also schnell verbessert werden.

Sciensano soll wieder tägliche Corona-Statistiken vorlegen

Mehr Transparenz und Bewusstsein für die Gefahr kann auch die Wiedereinführung der täglichen Corona-Statistiken verschaffen. In diesem Sinne hat Premierministerin Sophie Wilmès die Volksgesundheitsbehörde Sciensano aufgefordert von der wöchentlichen auf die tägliche Berichterstattung umzuschalten.

Nachdem die Neuinfektionen im Schnitt auf mehr als 100 pro Tag angestiegen waren, war die Kritik an der wöchentlichen Berichterstattung von Sciensano lauter geworden.  

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