Innenminister De Crem nach Konzertierung: "Bleiben Sie besser zu Hause", Regierungschefin Wilmès: "Nicht der offizielle Standpunkt"

Noch bevor Premierministerin Sophie Wilmès mit ihren Amtskollegen vom EU-Ministerrat am Sonntag weiter verhandeln konnte, war die Regierungsspitze mit den Ministerpräsidenten und Gesundheitsexperten zusammengetroffen, um die Verschlechterung der Corona-Zahlen zu besprechen. Die Anzahl der Neuinfektionen in Belgien steigt, laut Sciensano, drastisch an. Zwischen dem 9. und 15. Juli hat sie um 61 Prozent im Vergleich zur Vorwoche zugelegt.

Über drei Stunden hat der Konzertierungsausschuss mit Premierministerin Sophie Wilmès, den Bundesministern und Ministerpräsidenten sowie regionalen Gesundheitsexperten am Sonntagvormittag gedauert.

Nach Abschluss fasste der Bundesinnenminister Pieter De Crem (CD&V) die Ergebnisse wie folgt zusammen:

  • Die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Epidemie werden vorläufig nicht verschärft.
  • Die Einhaltung der geltenden Vorschriften wird strenger auf lokaler Ebene von der Polizei kontrolliert.
  • Wer noch keine Reise gebucht hat, sollte zu Hause bleiben.
  • Weitere Lockerungen stehen jetzt nicht an.

Wilmès: "Schlage vor, wir bleiben beim offiziellen Standpunkt"

Die liberale Regierungschefin wies ihren Innenminister (unten) darauf hin, dass es sich nicht um einen offiziellen Regierungsstandpunkt handele und die Regierung keine Reisewarnung fürs Ausland ausgesprochen habe: „Man muss nicht übertreiben. Wenn neue Maßnahmen erforderlich sind, werden wir diese treffen", sagte Wilmès zum "Rat" ihres Innenministers.

Der Konzertierungsausschuss hat beschlossen, den für den 23. Juli (Donnerstag) geplanten Nationalen Sicherheitsrat nicht vorzuverlegen, wie vom flämischen Ministerpräsidenten, Jan Jambon von N-VA, gewünscht. Die Zahl der Infektionsfälle wächst in den letzten Tagen vor allem in den Provinzen Antwerpen, Limburg und Westflandern.

Wohl schieben Bund und Länder einen neuen Termin des Konzertierungsausschusses am Dienstag, nach den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag, ein.

Schwerpunkte auf der Tagesordnung des Konzertierungsausschusses waren die auch Probleme bei der Kontaktnachverfolgung von Covid-19-Patienten: Die Daten des Callcenters, die helfen sollen, Infektionsketten identifizieren zu können, sind einerseits unvollständig und fließen andererseits nicht an die lokalen Behörden. Mehrere Provinzgouverneure und Bürgermeister hatten geklagt, dass sie keine Informationen erhalten würden, um konkrete Maßnahmen gegen ein eventuelles Aufflackern treffen zu können.

Innenminister De Crem und Gesundheitsministerin De Block
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Corona-Zahlen erneut gestiegen

Zwischen dem 9. und 15. Juli ist die Anzahl der Neuinfektionen in Belgien um 61 % im Vergleich zum Zeitraum zwischen dem 1. und 8. Juli gestiegen. Registriert hat die Volksgesundheitsbehörde Sciensano in dieser Woche insgesamt 615 Neuinfektionen. Dies entspricht im Schnitt 143 Neuinfektionen pro Tag. Am 17. Juli waren für ganz Belgien 63.706 Covid-19-Infektionen registriert. 

Der aktuelle Bericht von Sciensano über die neuesten Corona-Daten sind auf der Website der Behörde zu lesen.

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