Wissenschaftler reagieren kritisch auf die strengeren Corona-Maßnahmen, Unternehmerverbände eher zufrieden

Virologe Marc Van Ranst und der Biostatistiker Geert Molenberghs (Foto oben) hätten sich von der Bundesregierung noch strengere Maßnahmen gewünscht, um die weitere Ausbreitung des Virus zu bekämpfen. Molenberghs bezeichnet das Ergebnis des Nationalen Sicherheitsrats als verpasste Chance. Van Ranst hätte den persönlichen Kontaktkreis von 15 auf 10 Personen reduziert. Die Unternehmensverbände wiederum begrüßen, die Beschlüsse.

„Ich bin wirklich enttäuscht angesichts der aktuellen Epidemie. Die Maßnahmen gehen nicht weit genug“, urteilte Biostatistiker Geert Molenberghs in den VRT-Nachrichten. „Unsere Kontaktblase muss schrumpfen. 15 Personen sind keine gute Idee, da viele Menschen diese Vorgabe als „Alles ist erlaubt“ interpretieren.

Der Professor der KULeuven befürchtet, dass die Anzahl der Corona-Fälle bereits wieder derart gestiegen sei, dass lokale Ausgangssperren ohnehin zu spät kämen. Molenberghs befürwortet ein „Lockdown 2.0“.

Der Nationale Sicherheitsrat hat die Maskenpflicht verschärft und eine Registrierung der Kontaktangaben bei einem Restaurantbesuch beschlossen. Wer aus dem Ausland zurückkommt, muss ebenfalls ein Formular ausfüllen, um die Kontaktnachverfolgung zu vereinfachen. „Dass die Kontaktblase von 15 Personen erhalten bleibt, ist eine verpasste Chance“, so der Biostatistiker. Er weist darauf hin, dass die Auswirkungen der heute beschlossenen Vorschriften, erst in zwei Wochen zu sehen sein werden. 

Auch Virologe Marc Van Ranst findet es keine gute Idee, dass jeder Bürger noch stets mit 15 Personen pro Woche Kontakt haben darf. „Wir hatten dem Nationalen Sicherheitsrat empfohlen die Kontaktblase auf 10 Personen zu reduzieren. Das wäre ein starkes Signal gewesen.“

James Arthur Photography

Unternehmer wollen einen zweiten landesweiten Lockdown vermeiden

Die Unternehmerverbände Unizo und Voka haben die Beschlüsse dagegen begrüßt. Die Wirtschaft will unbedingt einen zweiten landesweiten Lockdown vermeiden. Dass die Bürgermeister in ihrer Gemeinde strengere Vorschriften verhängen können, sei eine gute Sache. Allerdings müssten solche Initiativen auch mit den Unternehmen vor Ort abgesprochen werden.

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