Flandern ist jetzt in der EU eine "orange" Region: Mehr als 20 Coronafälle auf 100.000 Einwohner

Flandern färbt sich zum ersten Mal auf der Karte des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), auf der alle Corona-Infektionen verzeichnet sind, hellorange. Das bedeutet, dass in den vergangenen zwei Wochen mehr als 20 Fälle pro 100.000 Einwohner festgestellt wurden. 

Es ist die einzige Region in unserem Land, für die eine europäische Warnung gilt. Brüssel und Wallonien bleiben vorerst gelb.

Das bedeutet, dass Flandern genauso schlecht abschneidet wie große Teile Schwedens, Teile Englands und des Balkans. Erst wenn es mehr als 120 Kontaminationen pro 100.000 Einwohner gibt, färbt sich eine Region rot. Derzeit befinden sich nur die spanische Region Aragon und Luxemburg in dieser Situation.

Brüssel und Wallonien erhalten noch keinen hellorangen Warnhinweis, weil ihre Infektionsraten niedriger sind als in Flandern. In Brüssel gibt es derzeit 19 Fälle pro 100.000 Einwohner. In Wallonien liegt diese Zahl jetzt bei 13 Fällen pro 100.000 Einwohner (erneut: in den letzten zwei Wochen).

Warum ist das so?

Dennoch gibt es einen bemerkenswerten Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden Belgiens. Was ist in Flandern so anders als in Wallonien? Der Epidemiologe Pierre Van Damme (UAntwerpen) meint, dass Unterschiede in der Bevölkerungsdichte sicherlich eine Rolle spielen könnten. "Sie ist in Flandern fast doppelt so hoch wie in Wallonien. Wir wissen, dass dieses Virus die Menschen gerne nahe beieinander sieht, so dass es sich leicht von einem zum anderen bewegen können".

Auch der internationale Verkehr, der in Flandern schon immer recht hoch war, wird eine Rolle spielen, meint Van Damme. "Flandern hat Häfen und große Unternehmen und ist auch eine Transitregion für viele Menschen".

Aber auch ein unterschiedliches Verhalten könnte einen Einfluss auf die Infektionszahlen gehabt haben, meint Van Damme. "Was ich immer von den französischsprachigen Kollegen höre: In der Zeit, als es noch nicht obligatorisch war, wurden in Wallonien bereits mehr Mundmasken getragen als in Flandern. Vielleicht hat der mediterrane Einfluss dabei eine Rolle gespielt, wie vor einigen Monaten in Spanien und Italien. Das könnte eine Rolle spielen. Auch wenn es schwierig ist, dies wissenschaftlich zu beweisen".

Momentaufnahme

Van Damme und sein Kollege Robert Colebunders von Uni Antwerpen warnen davor, dass die ECDC-Karte nur eine Momentaufnahme zeigt. "Antwerpen mag jetzt ein Vorreiter sein, aber wir werden in den kommenden Tagen und Wochen wahrscheinlich dasselbe in anderen Großstädten erleben. Unter anderem in Brüssel, aber auch in Lüttich. Dies ist nur eine Frage der Zeit, und es könnte sich sehr schnell auf dem gesamten Territorium ändern".  Auch in Charleroi steigt die Zahl der Infektionen stetig an. In den letzten 7 Tagen gab es bereits 46 Neuinfektionen. 

Und die Gemeinde Aubange, am äußersten südöstlichen Zipfel der Provinz Luxemburg, steht seit einer Woche an der Spitze der Liste mit der höchsten Zahl Infektionen pro Einwohner. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Aubange liegt direkt neben dem Großherzogtum Luxemburg und Frankreich. Die Gemeinde mit rund 17.000 Einwohnern ist ein Schmelztiegel der Nationalitäten, und obendrein leben dort viele Grenzarbeiter. Die meisten von ihnen arbeiten auch in Luxemburg, wo viel gründlicher auf das Coronavirus getestet wird und die Zahl der registrierten Infektionen entsprechend hoch ist."

Auch für das übrige Europa vermutet Van Damme, dass sich die Farben auf der Karte schnell ändern können, nachdem das Virus in mehreren Regionen wieder auf dem Vormarsch zu sein scheint. 

Die Karte der Europäischen Agentur können Sie hier einsehen.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten