Zweite Corona-Welle: Unter den infizierten Patienten gibt es jetzt viele Superspreader

Bei vielen Patienten, die seit einigen Wochen mit dem Coronavirus infiziert sind, stellte sich heraus, dass sie sehr viele Viruspartikel im Körper haben. Dies zeigen die Testergebnisse. Infolgedessen könnte es auch viele so genannte Superspreader geben. "Wenn sich diese Partikel sehr stark in der Nase oder im Rachen befinden, besteht die Möglichkeit, dass diese Menschen, wenn sie husten oder auch nur laut sprechen, andere anstecken", erklärt der Virologe Marc Van Ranst.

Sie werden Superspreader (deutsch „Superverbreiter“) genannt: Das sind im epidemiologischen Kontext Infizierte, die proportional weit mehr Menschen infizieren als manche andere. Professor Van Ranst im VRT NWS-Morgenmagazin auf Radio 1: "Es handelt sich um ein Konzept, das vor allem bei Infektionskrankheiten der Atemwege bekannt ist. Superspreader können viele andere Menschen infizieren, weil sie gigantische Mengen virale Krankheitserreger in der Nase und im Rachen entwickeln. Sie produzieren eine Menge Viren. Wenn sie husten oder auch nur laut sprechen, bringen sie Viruspartikel in ihre Umgebung und infizieren andere.“

Superspreader wissen gar nicht, dass sie super ansteckend sind. "Es gibt keinerlei Zusammenhang mit dem Krankheitsverlauf oder ob sie schwere Symptome zeigen oder nicht. Es können auch Menschen ohne Symptome sein, die aber viele Partikel mit sich führen. Sie entwickeln nicht mehr Speichel als andere", sagt van Ranst (Foto).

James Arthur Photography

Covid-19 scheint ein Sonderfall unter den Viren zu sein. "Es ist erstaunlich, wie Covid-19 - mehr als andere uns bekannte Viren - eine ungewöhnlich hohe Zahl an Viren produziert. Selbst bei älteren Menschen, von denen wir dachten, sie hätten trockene Schleimhäute und produzierten deshalb weniger Viren", sagt Van Ranst.  

Superspreader können viele andere Menschen infizieren, weil sie gigantische Mengen virale Krankheitserreger in der Nase und im Rachen entwickeln.
Virologe Marc Van Ranst

Man kann einen Superspreader mit den Coronatests identifizieren. Van Ranst: "Wenn man eine solche Probe untersucht, sieht man eine überdurchschnittlich große Menge Viren in der Probe. Ich habe darum gebeten, diese Patienten zu kontaktieren und zu informieren. Einige Tests ergeben auch nur ein Ja/Nein-Ergebnis. Bei Menschen, deren Test positiv ist, sollte dieser Test mit einem Test wiederholt werden, der auch ein quantitatives Ergebnis liefert".

Der Anteil der Superspreader ist bei dieser zweiten Coronawelle größer als bei der Ausbruchswelle im März. "Wir haben hierfür keine Erklärung", tappen Van Ranst und seine Kollegen im Dunkeln.

 Gibt es mehr Superspreader in Antwerpen, wo Covid-19 deutlich auf dem Vormarsch ist? "Wir bekommen jetzt eine Menge Proben aus Antwerpen, aber das könnte ein falsches Bild ergeben. Das sehen wir auch an Proben aus anderen Provinzen". Sowieso besteht Van Ranst auf einer strengen Quarantäne für jeden, der positiv auf das Coronavirus testet.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten