US-Militärflugplatz bei Chièvres
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US-Truppenumzug nach Belgien: Bauen die USA wirklich ein neues Hauptquartier in Belgien?

Mittwoch hat der US-Verteidigungsminister die Alliierten darüber informiert, dass das europäische Hauptquartier der US-Armee von Stuttgart nach Belgien verlegt wird. Donald Trump will Deutschland mit dieser Maßnahme dafür bestrafen, dass es nicht ausreichend Geld an die NATO zahlt und von den USA auch handelsmäßig profitiert. Warum ausgerechnet Belgien, das ein noch schlechterer Beitragszahler ist? Der VRT-Verteidigungsexperte Jens Franssen ist der Frage auf den Grund gegangen.

Die in Deutschland stationierten US-Truppen werden von 35.000 auf 25.000 Soldatinnen und Soldaten zurückgebracht. Darüber hinaus hat Präsident Donald Trump entschieden, das US-Hauptquartier von Stuttgart nach Belgien zu verlegen.

Die Anwesenheit US-amerikanischer Truppen in Europa zu verringern, ist eine Entwicklung, die nicht erst unter Trump begonnen hat, wohl aber, bedingt durch Wirtschaftskrisen und die aktuelle Corona-Pandemie verstärkt wurde.

Die Schließung des Hauptquartiers in Stuttgart ist in diesem Rahmen eher logisch, analysiert Verteidigungsexperte Franssen. Sofern die USA in Europa noch Sicherheit und Stabilität garantieren wollen, werden sie dies eher im NATO-Verband tun. Doppelte Militärstrukturen sollen abgeschafft werden. Die Strategie der NATO dagegen wird von den anderen Mitgliedern finanziell mitgetragen.

Ausgerechnet Belgien?

NATO-Hauptquartier in Evere
Alexander Dumarey

Dass die USA ihre Kommandozelle und ein Teil der in Deutschland stationierten Truppen nach Belgien verlegen wollen, ist begreiflich. Der politische Hauptsitz der NATO liegt in Evere in der Region Brüssel, die militärische NATO-Zentrale (Supreme Headquarters Allied Powers Europe, SHAPE) befindet sich in Mons.

Aber muss die Wahl deshalb ausgerechnet auf Belgien als Standort fallen? Seit Jahren gilt Belgien als einer der schlechtesten Beitragszahler des Bündnisses.

Allerdings, steht allzu oft nur der finanzielle Beitrag im Fokus. Genauso wichtig sind die Teilnahme an internationalen NATO-Missionen und die getätigten Militärausgaben. Belgien ist auf vielen Auslandsmissionen im Einsatz, u. a. mit F-16-Kampfflugzeugen über Afghanistan und dem Irak. Zudem hat der belgische Staat tüchtig in neue Schiffe, Kampfflugzeuge, Drohnen und Panzerfahrzeuge investiert.

Gesucht: Standort für 1.000 bis 2.000 US-Militärs, Flugplatznähe von Vorteil

Ersten Berichten zufolge sollen bis zu 2.000 US-Militärs aus dem Stuttgarter Hauptquartier in Belgien stationiert werden. In Frage kommt dafür die Ortschaft Chièvres bei Mons, wo die USA seit Jahrzehnten einen Militärflugplatz (Unites States Army Garrison Benelux) betreiben, auf dem NATO- und SHAPE-Personal aus USA und Europa ankommt und abfliegt. Der Flugplatz befindet sich 20 km vom SHAPE- und 60 Minuten vom NATO-Hauptquartier. Vor gut zehn Jahren haben die USA die Startbahn erneuert.

Nur Wahlkampf à la Trump?

„Dass der Präsident den Truppenabzug aus Deutschland ankündigt, hat mit den bevorstehenden Wahlen zu tun“, glaubt ein Beobachter: „Die Pläne werden erst in den kommenden Jahren konkret. Es kann gut sein, dass eine neue Regierung diese Pläne wieder umschreibt.“

Danny Gys / Reporters

Laut des belgischen Verteidigungsministers Philippe Goffin (MR) (Foto oben) gibt es noch kein Abkommen mit den USA über den neuen Standort. Goffin sagte er sei vorige Woche telefonisch von seinem Amtskollegen Marc Esper informiert worden, dass man „kommunizieren wird“. Von einer Bestätigung geschweige einem Abkommen sei nicht die Rede gewesen. Die Stationierung von über Tausend ausländischen Militärs unterliegt dem Einverständnis des Bundes und der Länder.

Mit der Ankündigung erntet Trump insbesondere viel Zustimmung bei seinen Anhängern. Er kündigt eine rationelle Entscheidung mit hohem Symbolgehalt an, die außerdem keine wirtschaftlichen Gegenreaktionen auslösen kann. Es wäre wirksamer, der deutschen Autoindustrie Sanktionen aufzulegen, aber diese Politik würde den Wirtschaftskrieg zwischen den USA und Europa nur noch verschärfen.

„Mit einer solchen Entscheidung punktet er bei seinen eigenen Republikaner“, sagt ein hoher belgischer Diplomat: „aber warten wir ab, ob die US-Militärs wirklich nach Belgien umziehen.“

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