"Cultural Pro League" - Belgiens Kultursektor richtet eine Krisenzelle ein

Der Kultursektor in Belgien hat nach den neuerlichen staatlichen Coronamaßnahmen, die Kulturveranstaltungen weiter in weiten Teilen unmöglich machen, ein Krisenzentrum eingerichtet, in dem sowohl der professionelle und bezuschusste Bereich vertreten ist, als auch der freie Sektor, der keine Subsidien erhält. Die hiesigen Kulturschaffenden fordern von Bund, Ländern, Regionen und Kommunen Perspektiven und dass man sie bei der Ergreifung von Maßnahmen mit einbezieht. Was für den Fußball gelingen kann, müsse auch für die Kultur gelten, so der Tenor: „Alles andere ist Mundraub und führt zu einem Kahlschlag.“

Der Veranstaltungssektor im Allgemeinen und die Kultur im Besonderen sind von der Coronakrise mit am heftigsten betroffen. Events wurden abgesagt, Theater und Konzertsäle mussten schließen und ein Ende ist nicht abzusehen - im Gegenteil. Inzwischen sind viele Organisationen, Künstler, Freelancer, Techniker uvm. arbeits- und mittlerweile auch mittellos. 

Bis heute zeigt die Politik der Kultur keine Perspektiven auf. Seit der Verschärfung der Maßnahmen durch die wieder steigenden Infektionszahlen muss der Sektor einen weiteren Rückschlag verkraften, sieht aber, dass im Sportbereich wieder vieles möglich ist - u.a. beginnt an diesem Samstag wieder der Profi- und Erstligafußball.

Eigentlich, so der Kultursektor, müsse der Politik klar sein, dass man gerade hier bereits bewiesen hat, wie man Corona-gerechte Veranstaltungen durchführen könne, doch, so Michael De Cock, Direktor der Königlichen Flämischen Schaubühne (KVS) in Brüssel und Mitglied des Krisenzentrums: „Obschon der Sektor schon gut strukturiert ist, gab es Bedarf für deutlichere Strukturen, in denen sowohl der bezuschusste, als auch der freie Sektor zusammenfinden kann.“

Starker Verbund gegen „undurchdachte Beschlüsse mit weitreichenden Folgen“

In diesem Zentrum u.a. folgende Einrichtungen vertreten: Antwerps Kunstenoverleg (AKO), Artiestencoalitie, Brussels Kunstenoverleg (RAB/BKO), Corona Taskforce Belgian Event Sector, Gents Kunstenoverleg (GKO), Live Sector Overleg, Overleg Kunstenorganisaties (oKo), State of the Arts, Vlaams Museumoverleg. Hinzu kommen noch zahlreiche Vertreter aus dem freien Sektor.

Ziel dieses Krisenzentrums ist, den Sektor am Leben zu erhalten und durch diese Krise zu lotsen und dort, wo es möglich ist, Corona-gerechte Veranstaltungen zu planen und durchzuführen. Um zu verhindern, dass dieser Sektor ganz trockengelegt wird, wird darauf gedrängt, die Kulturschaffenden in die Beratungen der Regierungen und Behörden in unserem Land mit einzubeziehen.

Michael De Cock sagt, dass man ab jetzt gehört werden will, wenn wichtige Beschlüsse in der Corona-Politik gefällt werden müssen: „Wir haben das Gefühl, dass trotz aller Arbeit, wie wir gerade leisten, und dem, was auf dem Tisch liegt, Beschlüsse gefällt werden, die keine Nähe zu unserem Sektor zeigen. Wir wollen in diese Beschlüsse mit einbezogen werden.“

Cultural Pro League

Die Kultur fordert nicht weniger, als dass der „Mundraub“ gestoppt wird und dass man sie auf eine sichere Art und Weise arbeiten lässt. Es gebe kaum Bereiche in unserer Gesellschaft in diesen Corona-Krisenzeiten, wo so durchdacht unter Einbeziehung aller sozialen und hygienischen Vorschriften gearbeitet werden könne. Der Sektor hat dazu einen Führer unter dem Titel „Professionelle Künste“ herausgebracht, an dem rund 80 Kulturschaffende mitgeschrieben haben und diese Arbeit fand die Unterstützung aller Kulturminister in Belgien und auch der GEES-Gruppe, ein Fachgremium, dass die Bundesregierung in Sachen Corona-Exit berät.

Darin enthalten sind z.B. grundsätzliche Coronamaßnahmen, wie Abstand zwischen den einzelnen Besuchergruppen und Blasen, das Tragen von Mundschutzmasken, voneinander getrennte Publikumsströme an Ein- und Ausgängen, Handgels, Bedienung an Tischen, Besucher-Registrierung usw… „Wir wollen wieder arbeiten und wir können das auch. Es gibt keinen Sektor, der so sicher mit Publikum umgehen kann, wie wir und es gibt keinen Bereich, der es so gewohnt ist, große und kleine Publikumsgruppen und -zahlen zu managen“, so De Cock gegenüber VRT NWS.

Um der Forderung noch einen drauf zu setzen, zieren seit Samstagfrüh neue Logos (Illustration unten) die Eingänge verschiedener Kulturzentren, die sich an den Logos von Fußballvereinen orientieren. Mit diesem originellen Protest erinnert der Sektor daran, dass der Fußball seine neue Saison starten kann, während die Kultur noch immer keine Perspektive hat und während viele Akteure vor dem Aus stehen. Bis zu 5.500 Unternehmen aus dem allgemeinen Eventsektor in Belgien sind von Konkurs bedroht, wie das Wirtschaftsprüfungsbüro Graydon gerade ermittelt hat. 

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