Ähnlich wie ein Stadionverbot? Belgiens Innenminister will Platzverweise für Randalierer an der Küste

„Die Kerle sind hier nicht der Chef und sie werden es auch nicht werden!“ So reagierte Bundesinnenminister Pieter De Crem (CD&V - Foto) am Dienstag im Parlamentsausschuss für Inneres auf die Randalierer aus Brüssel, die am Samstag am Strand von Blankenberge an der belgischen Küste für eine Massenschlägerei gesorgt hatten. De Crem will solche polizeilich bekannten Randalierer mit einem Platzverweis von der Küste fernhalten und denkt dabei an eine Vorgehensweise wie gegen Hooligans in den Fußballstadien.

Minister De Crem musste sich vor dem aufgrund der Vorfälle von Samstag und Sonntag eilig zusammengerufenen Parlamentsausschuss für innere Angelegenheiten für die Herangehensweise an die Krawalle (nicht nur in Blankenberge war es zu Problemen gekommen) den Fragen der Abgeordneten stellen, die mit Kritik nicht sparten.

Ob man den Massenansturm von Touristen an der Küste aus Richtung Inland an diesem heißen Wochenende nicht habe kommen sehen, lauteten einige Fragen. Von im Ausschuss vertretenen Lokalpolitikern war zu hören, dass man sich von der Politik in Brüssel im Stich gelassen fühlte. Die Regierung hätte den massiven Urlaub im eigenen Land durch die Corona-Pandemie nicht vorbereitet und habe einem zu erwartenden Ansturm auf die Strände, die Freibäder und die Badesehen nichts entgegengesetzt. Überall im Land war es zu Schwierigkeiten mit erhitzten Gemütern gekommen - nicht nur an der Nordseeküste.

Der Innenminister parierte alle Kritik. Zu Blankenberge sagte er, dass dort 135 zusätzliche Polizisten im Einsatz waren. Zudem habe nicht er, sondern die dortige Bürgermeisterin zu spät reagiert. Erste Probleme seien bereits gegen 14 Uhr am Samstag gemeldet worden, doch die Polizei habe die Stadt erst gegen 17 Uhr 30 gerufen… Einen Mangel an Polizisten habe es zudem nirgendwo gegeben. Alleine 80 Bundespolizisten hätten bereitgestanden, so De Crem. Und von ethnischem Profilieren durch die Polizei könne auch keine Rede sein. Es sei nun mal eine Tatsache, dass die randalierenden Jugendlichen polizeilich bekannte Brüsseler mit ausländischen Wurzeln gewesen seien. Diese werde er mit einem Platzverbot an der Küste und in anderen Freizeiteinrichtungen belegen und von ihnen verlangen, dass sie sich zu gegebenem Zeitpunkt bei der Polizei in ihrer Stadt oder in ihrem Viertel melden müssen.

Die Polizei kontrolliere Menschenansammlungen von mehr als 10 Personen, denn dies sei im Zuge der Corona-Sicherheitsmaßnahmen verboten. Und auch Personen, die durch zu viel Alkohol oder nach Drogenkonsum auffielen, würden kontrolliert. Die belgischen Polizisten seien darauf trainiert, solche Personen zu erkennen… Im Übrigen, so der Innenminister, sei die Mannschaftsstärke der Polizei an der Küste in der Sommersaison im Vergleich zu den vergangenen Jahren verdreifacht worden. 

Im Laufe des Tages wurde bekannt, dass ein Platzverweis oder ein Platzverbot für bekannte Randalierer an der Küste in diesem Sommer nicht mehr kommen wird. Dies müsse in einem gesetzlichen Rahmen stattfinden und den, so Innenminister De Crem gegenüber VRT NWS, "kann man nicht in 14  Tagen möglich machen." 

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