Vor 100 Jahren fanden in Antwerpen die ersten Olympischen Spiele nach dem Ersten Weltkrieg statt

Nur knapp zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fanden in Antwerpen Olympische Spiele statt. Die Eröffnungszeremonie für die 7. Spiele der Neuzeit wurde am 14. August 1920 im heutigen Stadion von Beerschot zelebriert, dass damals zu diesem Zweck umgestaltet wurde und diese Veranstaltung brachte einige Neuerungen und Premieren mit sich, die bis heute Gültigkeit haben. 

Antwerpen war als eine Stadt in einem Land wie Belgien, das im Ersten Weltkrieg schwer gelitten hatte, eine Symbolstadt für das Überwinden von heftigen Zeiten und dem Wiederauferstehen nach einem Krieg. Der Große Krieg hatte weltweit bis zu 17 Millionen Menschenleben gekostet…

Doch es musste schnell gehen, auch wenn noch nicht alle Kriegsschäden beseitigt waren. Graf Henri de Baillet Latour und sein Organisationsteam bekamen erst am 19. April 1919 grünes Licht für die Ausrichtung in der Schelde-Metropole und viel Geld stand ihnen auch nicht zur Verfügung. Doch nur 16 Monate später begannen diese Spiele und zwar mit einem neuen Symbol. Als Huldigung an den Frieden wurden Tauben freigelassen. Dies blieb so bis zum Jahr 1988, als bei der Eröffnung der Spiele in Seoul mehrere Friedenstauben im Olympischen Feuer verbrannten…

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Eine Premiere war auch die neue Olympische Flagge mit ihren fünf Ringen, die der damalige IOC-Vorsitzende Pierre de Coubertin entworfen hatte. Neu war auch der Olympische Eid, den damals im Antwerpener Beerschot-Stadion (Foto oben) der belgische Fechter Victor Boin (Foto unten) leistete: „Wir schwören, dass wir uns bei den Olympischen Spielen als loyale Gegner erweisen, mit Respekt vor den geltenden Reglements und dem Geist der wahren Sportlichkeit, bis hin zur Ehre unseres Landes und dem Ruhm des Sports.“

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Victor Boin
König Albert I.

König Albert I. begleitete die Eröffnung der Spiele in Antwerpen (Foto oben). Aber, die Vorbereitung der Spiele fand mit nur sehr wenig Geld statt. So baute Architekt Fernand de Montigny das prächtig aussehendende Eingangsportal aus… Gips (Foto unten). Diesen Eingang gibt es denn auch schon lange nicht mehr… Überhaupt war das Geldproblem damals überall spürbar.

Überall waren noch Kriegsschäden nicht beseitigt und noch immer mussten Weltkriegstote geborgen und beerdigt werden. Die Sportler schliefen teilweise in Dreietagenbetten in mituntrt feuchten Baracken, denn die durch den Krieg teilweise noch immer bitterarme Bevölkerung konnte die eingeladenen rund 2.600 Sportler nicht alle beherbergen. Die Menschen in Belgien hatten nur zwei Jahre nach dem Krieg wohl andere Sorgen als die Olympischen Spiele, die die reiche Elite des Landes veranstaltete.

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Marathon: Zieleinlauf durch das Gipsportal
Fernand de Montigny

Apropos Elite: Stadionarchitekt Fernand de Montigny (Foto oben) hatte als Degenfechter 1908 Bronze im Mannschaftswettbewerb gewonnen. Jetzt, in Antwerpen, holte er mit der Hockey-Mannschaft wieder Bronze…

Der erfolgreichste belgische Athlet war bei den Spielen in Antwerpen aber der damals schon 54 Jahre alte Bogenschütze Hubert Van Innis (Foto seines Standbildes in dessen Heimatort Elewijt in Brabant unten). Bis heute hat kein belgischer Olympionike mehr Medaillen bei solchen Spielen gewonnen, wie er. Besonders starke Gegner hatte er nicht und somit konnte van Innis vor eigenem Publikum 6 Medaillen einheimsen. 4 davon waren Goldmedaillen. 20 Jahre zuvor, bei den Spielen in Paris, gewann er drei olympische Medaillen. Damit zählt er bis heute zu den 20 besten Olympia-Teilnehmern.

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Alexander Dumarey

Das Bogenschützengelände im Nachtegalenpark in Antwerpen ist übrigens das einzige Relikt, außer vielleicht noch einige Teile des Beerschot-Stadions, das noch vollständig erhalten ist (Fotos unten).

Die 7. Olympischen Spiele in Antwerpen endeten am 12. September 1920. Sportler aus jenen Ländern, die den Krieg verloren hatten, waren übrigens nicht eingeladen. Darunter waren Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien, sowie das Osmanische Reich, in etwa die heutige Türkei. Auch das durch die Oktober-Revolution kommunistisch gewordene Russland war nicht dabei. An den olympischen Wettbewerben nahmen allerdings schon Sportler aus neu entstandenen Nationen teil, wie Finnen und Jugoslawen oder auch Athleten aus der Tschechoslowakei. 

Alexander Dumarey
Alexander Dumarey
Rudern auf der Schelde

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