Spannende Orte: Das Red Star Line Museum in Antwerpen

Millionen Auswanderer aus ganz Europa suchten Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts ihr Glück in Amerika oder in Kanada, in der so genannten „Neuen Welt“. Als die Nazis in Deutschland die Macht übernahmen, wanderte noch einmal eine Welle jüdischer Europäer in die USA aus. Rund 2 Millionen dieser Auswanderer überquerten den „Großen Teich“ zwischen 1873 und 1934 an Bord eines Schiffes der Antwerpener Red Star Line. An diese Zeit erinnert das Red Star Line Museum im Antwerpener Hafenviertel am so genannten „Eilandje“.

Hier stehen noch einige Hallen der traditionsreichen Reederei und hier fand das 2013 eröffnete Museum sein Zuhause und Geschichten sind das zentrale Element dieser Einrichtung. Im Red Star Line Museum stehen die Geschichten der Auswanderer zentral. Deren Geschichten von der Suche nach dem Glück im gelobten Land Amerika und die Hürden, die sie nehmen mussten, um dorthin zu gelangen, werden an diesem symbolischen Ort erzählt.

Fotos, Dokumente, persönliche Gegenstände von Auswanderern und aufgeschriebene oder in Ton und Bild aufgenommene Erzählungen erinnern an einen Teil unserer europäischen Geschichte auf eine ganz besonders eindringliche Art und Weise. In diesem Sinne vermittelt das Museum Geschichte auf interaktive Wege. Und das Museum hört nicht am Ende der Geschichte der Red Star Line Reederei auf, sondern widmet sich auch dem heutigen Phänomen der Auswanderung, denn Völkerwanderungen hat es immer gegeben und wird es immer geben. Dazu und zur Geschichte rund um diese legendäre Reederei werden regelmäßig Sonderausstellungen produziert.

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Foto: Andreas Kockartz

Die Gebäude sind die wichtigsten Stücke der Kollektion

Die Gebäude der Reederei sind eigentlich drei Lagerhallen und Stapelhäuser, die die Red Star Line entweder besaß oder die sie für ihre Zwecke gemietet hatte: Ein einfaches Lagerhaus von 1894, das frühere Hauptgebäude von 1922 und ein kurz vor dem Ersten Weltkrieg durch die Stadt Antwerpen errichtetes Lagerhaus, wo der Zoll untergebracht war. Der Komplex an der Ecke Rijnkaai/Montevideostraat kurz vor der stadtnahen Biegung der Schelde ist inzwischen denkmalgeschützt.

Ergänzend dazu baute das renommierte amerikanische Architektenbüro „Beyer Blinder Belle Architects and Planners“ einen Turm dazu, der die schräge Form eines Schornsteins eines Ozeandampfers symbolisiert. Dieser Turm erinnert an den gleichförmigen Turm der Red Star Line an gleicher Stelle, der bis 1936 auf den Standort hinwies und der schon von weit her zu erkennen war. Dieser Turm ist begehbar und bietet, wie auch schon die Aussichtsplattform des benachbarten MAS-Museums, einen tollen Blick über Hafen und Schelde.

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Andreas Kockartz

Von hier aus lässt sich ein spannender Teil Antwerpens entdecken. In der Nähe befindet sich z.B. das MAS, das Museum am Strom und in den verschiedenen Hafenbecken warten viele Schiffe des Schifffahrtsmuseums (Foto oben) auf neugierige Blicke. Sehr spannend ist auch die nahegelegene Sammlung von historischen Hafenkränen und Architekturfans können zahlreiche spannende Gebäude, wie z.B. viele hafentypische Stapel- und Lagerhäuser analysieren. Daneben laden überall Restaurants und hippe Cafés und Kneipen zum Verweilen ein.

Red Star Line Museum, Montevideostraat 3, 2000 Antwerpen, Info: www.redstarline.be

Spannende Architektur lässt sich am Antwerpener "Eilandje" unweit des Red Star Line-Museums entdecken
Andreas Kockartz

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