In Brüssel steigen die Corona-Infizierungen weiter - Wie muss damit umgegangen werden?

Während die Zahl der neuen Corona-Infizierungen überall in Belgien wieder rückläufig ist, steigt sie in der Brüsseler Hauptstadt-Region weiter an. Und das bereitet den Behörden und dem staatlich-belgischen Gesundheitsamt Sciensano Sorgen. In den vergangenen 7 Tagen sank die Zahl der Infizierungen in Antwerpen um 33 %, während sie in Brüssel um 26 % stieg. 

In den Brüsseler Gemeinden Sint-Joost-ten-Noode, Brüssel-Stadt und Sint-Agatha-Berchem werden die höchsten Werte gemessen: Jeweils 98, 87 und 83 pro 100.000 Einwohner, wie aus den Statistiken von Sciensano ersichtlich ist. In lediglich 8 der 19 Brüsseler Gemeinden gehen die Zahlen in diesen Tagen nach unten. Brüssels Regionalministerin Elke Van den Brandt (Groen), eigentlich mit den Bereichen Mobilität, öffentliche Arbeiten und Verkehrssicherheit betraut, sagte am Dienstagmorgen gegenüber dem VRT Sender Radio 1, dass die hier geltenden Maßnahmen verschärft würden, wenn die Zahlen weiter so schnell steigen.

Aber, sie unterstrich auch, dass die allgemeine Mundmaskenpflicht und die geltenden staatlichen Maßnahmen von der Bevölkerung eingehalten werden müssen. Der Effekt der Maskenpflicht, die erst seit 5 Tagen gelte, werde sich erst in einigen Tagen bemerkbar machen, so Vanden Brandt. Die grüne Brüsseler Regionalministerin erwartet in dieser Hinsicht weitere Entscheidungen des Nationalen Sicherheitsrats, der sich am Donnerstag wieder treffen wird. Sie schließt weitere Maßnahmen ab dann nicht aus. Virologen und andere Corona-Experten raten zu rascher einzuführenden strengeren Maßnahmen für die Hauptstadt-Region.

Die Maskenpflicht ist natürlich wichtig, doch wir dürfen uns nicht nur darauf verlassen.“

Virologe Steven Van Gucht

Inzwischen wächst die Kritik an der Haltung Brüssels angesichts der steigenden Zahlen. Virologen und andere Corona-Experten raten zu rascher einzuführenden strengeren Maßnahmen für die Hauptstadt-Region. Der flämische Virologe Steven Van Gucht sagt dazu: „Die Maskenpflicht ist natürlich wichtig, doch wir dürfen uns nicht nur darauf verlassen. Der Mehrwert von Masken ist und bleibt beschränkt. Ich glaube sehr fest an eine lokale Herangehensweise, bei der z.B. Sozialarbeiter und Vertrauenspersonen die dort lebenden Gemeinschaften über die Basisregeln und über die Verbreitung des Virus informieren, um dem etwas entgegenzusetzen: Erklärungen über die Abstandsregeln, die Gefahren von Reisen, über Isolieren und Quarantäne...“

Städte mit ärmeren und dichtbevölkerten Vierteln sind besonders gefährdet. Antwerpen war das, Brüssel ist das mit Sicherheit auch und auch Gent oder Lüttich sind möglicherweise gefährdete Orte.“

Virologe Steven Van Gucht

Van Gucht ist der Ansicht, dass vieles bei den Gemeinschaften, die eine andere Muttersprache haben, noch nicht angekommen ist, was in anderen Bevölkerungsteilen gang und gäbe ist. Hier würde man anderen Medien folgen, als den belgischen: „Man sollte das alles lokal fördern. So kann man den besten Effekt erzielen. Städte mit ärmeren und dichtbevölkerten Vierteln sind besonders gefährdet. Antwerpen war das, Brüssel mit Sicherheit auch und auch Gent oder Lüttich sind möglicherweise gefährdete Orte.“ 

Wir müssen die Leute in allen möglichen Sprachen informieren.“

Epidemiologin Erika Vlieghe

Die Epidemiologin Erika Vlieghe, Vorsitzende der GEES-Gruppe, die die belgische Regierung in Corona-Fragen berät, stellt ebenfalls fest, dass die Zahlen fast überall leicht sinken. Sie pflichtet Steven Van Gucht bei und ergänzt: „Es ist aber absolut noch nicht getan. Wir sehen jetzt, dass strenge Maßnahmen ihre Früchte abwerfen, doch wir müssen weitermachen. Brüssel ist bestimmt ein Problem, doch auch in vielen anderen Städte und Gemeinden werden schlechte Werte aufgezeichnet.“

Ihr Standpunkt, dass die Mundmasken nicht reichen, sei bekannt, so Vlieghe: „Das ist nicht genug. Wir müssen die Leute in allen möglichen Sprachen informieren.“ Die GEES-Vorsitzende ist übrigens nicht der Ansicht, dass derzeit Lockerungen vorgenommen werden sollten: „Wir dürfen nicht die gleichen Fehler wie Anfang Juli machen, als alles wieder zugelassen wurde. Wir sind heute epidemiologisch absolut noch nicht da, wo wir damals standen. Also müssen wir weiter auf lange Sicht nach einem Gleichgewicht suchen, um dann endlich das Virus zu bezwingen. Es hat keinen Sinn, den Jojo rauf und runter zu lassen. Da werden doch alle verrückt mit.“ 

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