Polizeichef Flughafen Charleroi versetzt, nachdem Video über Polizeigewalt publik wurde

Danny Elst, Polizeichef am Flughafen von Charleroi, ist nach dem Bekanntwerden des Videos über Polizeigewalt gegenüber einem slowakischen Passagier, der einen Tag später verstarb, in einen anderen Dienst versetzt worden. Die Anwältin von drei Polizisten hatte am Samstagmorgen erklärt, dass ihre Mandanten keine Schuld träfe. Im Video ist zu sehen, wie ein Polizist über eine Viertelstunde auf dem in Gewahrsam genommenen Mann kniet und eine Polizistin den Hitlergruß bringt. 

Zwei Tage nachdem die Nummer zwei der belgischen Bundespolizei, André Desenfants (unten), sein Amt vorübergehend niedergelegt hat, ist der Chef der Flughafenpolizei, Danny Elst, in einen anderen Dienst versetzt worden. Auch diese Personaländerung ist eine Folge des am Mittwoch veröffentlichten Videos über die Polizeigewalt, die sich im Februar 2018 in einer Arrestzelle zugetragen hat. 

Im Gegensatz zu Desenfants, der, nach eigenen Aussagen, das Video nicht zu sehen bekommen haben soll, wusste Elst vermutlich wohl, was sich in der Arrestzelle in Charleroi abgespielt hat. Eine Untersuchung der Polizeiaufsichtsbehörde soll in dieser Hinsicht Klarheit schaffen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Elst als Polizeichef in Bedrängnis kommt. Vor drei Jahren waren Missstände bei den Rückführungen abgewiesener Asylbewerber aufgedeckt worden. Danny Elst war ebenfalls verantwortlich für diesen Dienst.  Bei bestimmten Rückführungen in ferne Länder besuchten die Beamten Prostituierte.  Auch war die Rede von unsittlichem Verhalten und Saufgelagen. 

Der slowakische Geschäftsmann Joseph Chovanec war aus dem Flugzeug geholt worden, nachdem er sich widerspenstig und aggressiv verhalten hatte. In der Arrestzelle schlug er sich den Kopf an den Wänden blutig. Sechs Polizeibeamten versuchten ihn ruhig zu stellen. Er bekam u. a. eine blaue Decke über den Kopf und ein Beamter kniete sich über eine Viertelstunde auf den 38-Jährigen. Eine Polizistin hatte, wie sie aussagte „zum Spaß“ den Hitlergruß bei der Intervention gebracht. Als Chovanec später ein Beruhigungsmittel von einem Arzt verabreicht bekam, setzte ein Herzstillstand ein. Der Mann verstarb einen Tag später im Krankenhaus.

"Meine Mandanten trifft keine Schuld"

„Es gibt kein einziges Indiz dafür, dass meine Mandanten für den Tod des Mannes verantwortlich sind“, sagt die Anwältin Hayat Karim, die drei der sechs in der Zelle anwesenden Polizisten vertritt.

Der slowakische Geschäftsmann war aus dem Flugzeug gesetzt worden, nachdem er sich widerspenstig und aggressiv verhalten hatte. In der Arrestzelle schlug er sich den Kopf an den Wänden blutig. Sechs Polizeibeamten versuchten ihn ruhig zu stellen. Als er später ein Beruhigungsmittel von einem Arzt verabreicht bekam, setzte ein Herzstillstand ein.

Der Vorfall ereignete sich vor zweieinhalb Jahren, wurde aber erst bekannt, als das Video vergangenen Mittwoch an die Öffentlichkeit gelangte.

„Die Ermittlungen sind sehr gründlich verlaufen. Alle betroffenen Personen sind verhört worden. Es stimmt nicht, dass der Vorfall nicht ernst genommen wurde“, so die Anwältin. Sie bestätigte die Mitteilung der Staatsanwaltschaft von Charleroi, die Ermittlungen hätten sich  derart hinausgezögert, nachdem die Angehörigen des Opfers mehrere zusätzliche Untersuchungen anforderten.“

Das Gericht muss in völliger Unabhängigkeit arbeiten können, sagte Hayat Karim weiter: „Bis heute sind meine Mandanten als Polizeibeamte im Dienst und es wurden keine disziplinarischen Maßnahmen gegen sie erhoben.“

Hoher Justizrat will geklärt haben, warum die Ermittlungen seit 2,5 Jahren dauern

Der Hohe Justizrat will von der Staatsanwaltschaft in Charleroi wissen, warum die Ermittlungen wegen der Polizeigewalt und ihrer Folgen so lange dauern. Die Anwälte der Angehörigen des Opfers klagen, das die Ermittlungen noch immer nicht abgeschlossen seien und vermuten, dass diese behindert und verzögert würden.

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