Weniger besorgniserregende Vermisstenfälle wegen der Corona-Ausgangssperre

Die Polizeistelle, die sich mit den Vermisstenfällen beschäftigt, hat in den ersten acht Monaten von 2020 „nur“ 370 Akten angelegt. Normalerweise werden pro Jahr circa 1.000 Akten für Personen angelegt, die als vermisst gemeldet werden. Der Grund ist die Ausgangssperre während der Corona-Epidemie, so die zuständige Polizeistelle in der Tageszeitung De Morgen.

Als es zu Beginn der Corona-Krise landesweit hieß „zu Hause bleiben“, wurde es in den Büros der Polizeistelle für Vermisstenfälle ungewöhnlich ruhig. Während in normalen Jahren zwischen 975 und 1.200 Akten für vermisste Personen angelegt werden, sind in den ersten acht Monaten von 2020 „nur“ 373 Personen als vermisst gemeldet worden.

„Risikopersonen, die an Demenz leiden und in Pflegeheimen wohnen, verschwanden nicht mehr, weil alle Ausgänge in den Pflegeheimen buchstäblich verriegelt wurden“, erklärt Alain Remue von der Polizeistelle für Vermisstenfälle: „Das gleiche galt für die Personen, die nach einer durchzechten Nacht verschwanden. Cafés und Klubs waren geschlossen.“

Seitdem die Ausgangssperre wieder aufgehoben wurde und die Normalität allmählich zurückkehrt, steigt auch die Zahl der vermissten Personen wieder. Alain Remue hofft, dass es nicht zu einer Aufholbewegung kommt. Aber das sei nicht auszuschließen: „Dunkle Tage, weniger Licht, die Einsicht, dass viel schiefgelaufen ist. Ich befürchte, dass wir wieder sehr beschäftigt sein werden.“ Remue glaubt, dass die Spätfolgen der Corona-Krise noch ausstehen könnten.

25 Jahre Polizeistelle für Vermisstenfälle

Der Dienst wurde am 4. September 1996 im Rahmen der Ermittlungen gegen den Serienmörder Marc Dutroux eingerichtet. Die VRT widmet dem Dienst eine Dokumentarreihe, die ab dem 2. September im ersten Fernsehprogramm ausgestrahlt wird.

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