Flämischer IS-Syrienkämpfer Jejoen Bontinck taucht im BBC-Interview als Rapper auf

Der junge Flame Jejoen Bontinck kämpfte für die Terrormiliz IS in Syrien. Nun versucht er, eine Karriere als Rapper aufzubauen, und hat der britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt BBC hierzu ein bemerkenswertes Interview gegeben. Der radikalisierte Muslim von einst hat sich von seiner umstrittenen Vergangenheit losgesagt.

Bontinck spricht mit der BBC in amerikanischem Englisch. Er beantwortet Fragen zu seiner Vergangenheit in einer Sprache, in der nicht immer klar ist, wer spricht: Jejoen Bontinck selbst oder der Rapper Ready4Jerri, sein Künstlername.

"Man folgt ihnen wie ein Schaf", sagt er über die Umstände, unter denen er 2013 als Mitglied der Sharia4Belgium nach Syrien reiste. "Ich wusste nicht, was mich erwartete." Nach seinen eigenen Worten erkannte er bereits am ersten Tag nach seiner Ankunft dort, dass er nicht an seinem Platz war. In seiner Antwort wechselt er zum Text seines Songs "First day": "Am ersten Tag habe ich mich gefragt, was ich dort mache. Ich wollte kein Teil davon sein".

Bereits nach wenigen Tagen landete Bontinck demnach in einer IS-Zelle. "Dort traf ich James und John, die am Ende meiner Gefangenschaft gute Freunde von mir wurden.“  Schon seit längerem behauptet er, er sei habe drei Wochen zusammen mit dem Amerikaner James Foley, der später von der Terrorgruppe IS geköpft wurde, und dem Briten John Cantlie, der immer noch vermisst wird, eine Zelle geteilt.

Von radikaler Vergangenheit losgesagt

Im Jahr 2013 erhielt Jejoen Bontinck 3 Jahre Haft auf Bewährung in einem Antiterrorprozess in Antwerpen (Zeichnung unten): eine leichte Strafe, unter anderem weil er gegen die Sharia4Belgium ausgesagt hatte.

Inzwischen hat er sich von seiner radikalen Vergangenheit losgesagt. Er erzählt der BBC, dass er sein erstes Album "Born again" selbst produziert habe und hoffe, dass man ihm eine zweite Chance gibt. "Ich mache keinen Mainstream-Rap über nackte Damen oder große Autos", sagt er. "Ich habe eine Geschihte zu erzählen, und es ist eine außergewöhnliche Geschichte."

Welchen Rat würde der jetzt 25-jährige Jejoen dem 18-jährigen Jejoen geben, der einmal nach Syrien ging? "Was machst Du da? Verschwinde sofort! Hör besser auf Deine Eltern!“

Hier geht es zum BBC-Interview mit dem ehemaligen flämischen Syrienkämpfer

Nicolas Maeterlinck

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