Augenzeugen zu Polizeigewalt am Flughafen Charleroi: "Chovanec wirkte überhaupt nicht aggressiv"

Verschiedene Augenzeuge, die im selben Flugzeug saßen, als der slowakische Geschäftsmann Jozef Chovanec (Foto) vor zwei Jahren festgenommen wurde, bestätigen, der Mann sei nicht aggressiv, sondern eher verwirrt gewesen.  Der Geschäftsmann starb wenig später nach einem brutalen Zwischenfall in Polizeigewahrsam.

Mehrere Personen im selben Flugzeug sagen, Chovanec habe einen verwirrten Eindruck gemacht, sei aber nicht aggressiv gewesen.  Die Polizei nahm den 38-Jährigen fest, nachdem er es versäumt hatte, seine Bordkarte freiwillig abzugeben. Jozef Chovanec starb vor mehr als zwei Jahren, doch sind gerade Bilder aufgetaucht, die seine unangemessene Behandlung durch die belgische Flughafenpolizei und das hinzugerufene Notarztteam zeigen.

(Lesen Sie unter dem Foto weiter)

Zeuge Roman Behúl sagte gegenüber der VRT: "Er saß in der ersten Reihe oder hatte sich wahrscheinlich gerade dort hingesetzt.  Die Stewardess verlangte seine Bordkarte.  Er schien nicht in der Lage zu sein, sie vorzuzeigen", sagt Roman Behúl (Foto). "Zu Beginn antwortete er nicht."

Das Flugzeug war startbereit, aber der Passagier konnte oder wollte keine gültige Bordkarte vorzeigen.  Deshalb wurde die Polizei wurde hinzugezogen.

"Mein Eindruck war, dass er nicht kommunizieren konnte", sagt Roman Behúl.  "Er hat nicht geantwortet.  Er sagte nur, dass er ein Recht auf seinen Platz habe und nicht aussteigen wolle."

Herr Chovanec wurde dann gezwungen, das Flugzeug zu verlassen: "Sie nahmen ihn mit, aber er war nicht aggressiv.  Er hat sich nicht geweigert, mit zu gehen.  Er hat sich nicht gewehrt", so Roman Behúl weiter.

„Verwirrt, nicht aggressiv“

Vojtech Eksler (Foto hierunter) wurde vor dem Start  zweimal von Chovanec angesprochen, bevor sie an Bord der Ryanair-Maschine gingen. "Er war sich nicht sicher wegen seiner Bordkarte und bat um Bestätigung, ob er am richtigen Flugsteig war“. Eksler betont, dass Chovanec zu keinem Zeitpunkt aggressiv wirkte. "Er war nur besorgt."

(Lesen Sie unter dem Foto weiter)

Als Chovanec in das Flugzeug stieg, zeigte er dem Personal seine Bordkarte nicht, worauf die Mitarbeiter reagierten. "Es war ihr letzte Flug, sie hatten es eilig", erinnert sich Eksler gut. Er bezeichnet das Personal eher als "gleichgültig" und das angewandte Verfahren als "dilettantisch". Ihm zufolge wurde die Polizei zu schnell hinzugezogen.

 Im Flugzeug saß Chovanec vorne, Eksler hinten. Der Augenzeuge war nicht in der Lage, zu hören, was gesagt wurde. Aber es gab eindeutig Probleme. Chovanec habe sich nicht gewehrt. Einmal auf dem Rollfeld, kam es aber offenbar zu einem Zwischenfall. Eksler sagt, er habe die ganze Zeit über ein schlechtes Gefühl gehabt, was auf dem Flughafen passiert sei. "Die Polizei war gewalttätig, aggressiv", sagt er.

Hitlergruß

Die Bilder des Polizeieinsatzes erwecken auch den Eindruck, dass die Beamten die Sache nicht ernst genommen haben und mit übertriebener Gewalt reagierten. Auf den Video-Aufnahmen ist zu sehen, wie eine junge Polizeibeamtin den Hitlergruß macht.

Der Gerichtsakte, die von der Anwältin der Chovanec-Witwe eingesehen werden konnte, enthält auch die Transkribtion der Videoaufnahmen in der Polizeizelle am Flughafen.  Hieraus geht hervor, dass die Polizeibeamten und auch das hinzugerufenen Notarztteam unangemessene Bemerkungen gemacht haben.  Einer soll gesagt haben, Chovanec habe es nicht verdient, wiederbelebt zu werden, und dass es kein großer Verlust wäre, wenn er sterben würde. Die Bemerkungen wurden von der Anwältin, der die Witwe von Herrn Chovanec vertritt, bestätigt.

"Meine Mandantin hatte die Bilder ohne Ton gesehen.  Im Gerichtsdossier sind die gesprochenen verletzenden Worte aufgeführt.  Sie können sich vorstellen, dass meine Mandantin jetzt in einem noch größeren Schockzustand ist.  Wenn Sie lesen müssen, mit welcher Geringschätzung ihr Mann behandelt wurde.  Die Haltung all dieser Menschen in der Polizeizelle: Sie war schrecklich und unmenschlich", sagte Anwältin Ann Van de Steen.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten