Zum Schulbeginn: "Jede Stunde, die im Freien unterrichtet wird, ist eine gewonnene Stunde"

Der Virologe Marc Van Ranst plädiert (erneut) dafür, im neuen Schuljahr, das in ganz Belgien am kommenden Dienstag, den 1. September beginnt, so viele Unterrichtsstunden wie möglich im Freien zu geben. "Wenn die Fächer und die Raum- und Wetterbedingungen es zulassen, wäre das das Beste", sagt er. 

Es ist kein neues Plädoyer, aber der Virologe Marc Van Ranst wiederholt es in einem Tweet: "Organisieren Sie so viele Schulaktivitäten wie möglich im Freien!“ Mit einem Ausrufezeichen, was  der Aufruf noch deutlicher macht.

"Wenn man im Freien unterrichtet, ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung jeglicher Art von Keimen sehr gering, ja fast nicht vorhanden. In vielen Ländern geschieht das bereits viel mehr als bei uns, zum Beispiel in den skandinavischen Ländern. Unterrichtsstunden auf dem Spielplatz, im Park oder im benachbarten Wald sind dort möglich. Eigentlich denke ich vor allem an die Grundschule, wo man auf diese Weise Fächer wie Biologie oder Geographie unterrichten kann", sagt Van Ranst.

Für jede Lösung kann man natürlich ein Problem finden
Virologe Marc Van Ranst

Van Ranst weiß auch, dass die Umsetzung der Theorie in die Praxis nicht immer vor der Hand liegt: "Mir ist klar, dass das nicht immer und überall möglich ist. Bestimmte Fächer müssen innerhalb der Schulmauern unterrichtet werden, ich denke zum Beispiel an Computerunterricht oder an Unterricht, bei dem ein Labor benötigt wird. Aber wenn es irgendwie möglich ist, tun Sie es trotzdem. Und das gilt letztlich für alle Altersgruppen und Klassenstufen".

Was aber, wenn Schulträger oder Schulen protestieren, um kurz vor dem Schuljahr zusätzliche Anpassungen vorzunehmen? "Natürlich kann man für jede Lösung ein Problem finden. Aber ich bin sicher, dass viele Menschen im Bildungswesen kreativ damit umgehen können, und es gibt auch viele, die das tun. Aber alles im Freien unterrichten, wird in unserem Klima nicht funktionieren, das weiß ich auch".

Es ist nur ein Ratschlag von mir. Ich kann das nicht verordnen, ich bin nicht der Bildungsminister
Virologe Marc Van Ranst

"Hier geht es nicht um unglaubliche Anstrengungen, die unternommen werden müssen, oder um Dinge, die für immer festgeschrieben werden sollen. Eigentlich ist das nur gesunder Menschenverstand und es gibt meinerseits keinen Druck, das umzusetzen. Es ist nur ein Ratschlag von mir, mehr nicht. Ich kann das nicht durchsetzen, ich bin nicht der Bildungsminister".

"Natürlich hat jeder Mensch seine Grenzen. Aber nehmen wir an, Sie haben einen großen Park an Ihrer Schule, dann könnten Sie draußen wirklich mehr tun. Jede Stunde, die Sie draußen unterrichten können, ist eine gewonnene Stunde. Und wenn es nur ein- oder zweimal pro Woche passiert, dann war's wenigstens das."

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