Beispiel Antwerpen: Virologe sieht, dass sich kollektive Anstrengungen lohnen

Der Virologe Steven Van Gucht (Foto), Leiter des staatlich-belgischen Gesundheitsamts Sciensano, hat festgestellt, dass sich kollektive Anstrengungen, die zum Ziel haben, das Coronavirus zurückzudrängen, lohnen. Als Beispiel nannte er Antwerpen. Die Provinz und die Stadt waren eine Zeit lang ein neuer Hotspot, als das Virus wieder aufflackerte. Das ist heute wieder anders. 

Sciensano hatte gemeinsam mit den Universitäten von Hassel und Antwerpen anhand von Grafiken (siehe unten) die Entwicklung des wiederaufgeflackerten Virus im Sommer analysiert und konnte feststellen, dass Covid-19 ab Mitte Juli in der Schelde- und Hafenmetropole Antwerpen wieder auf dem Vormarsch war. Innerhalb von nur einer Woche hatten sich die Zahlen der Neu-Infizierungen glatt verdoppelt.

Doch daraufhin wurde alles darangesetzt, dem entgegenzuwirken, wie Virologe Van Gucht erklärt: „Durch die steigende Aufmerksamkeit der Medien, die Empfehlungen der lokalen Behörden ab dem 22. Juli, die Mahnungen, um vorsichtig zu sein und durch die zusätzlichen Maßnahmen des Sicherheitsrates am 25. und am 29. Juli und die darauf folgenden kollektiven Anstrengungen konnte in Antwerpen die Kurve ab dem 26. Juli wieder umgebogen werden.“

Dank dieser gemeinsamen Anstrengungen haben wir zahlreiche Sterbefälle und Krankenhauseinlieferungen vermeiden können. Gemeinsam können wir das Virus mit Solidarität und Ausdauer kleinkriegen. Ich bin davon überzeugt, dass wir das in diesem Winter auch schaffen können. Das Virus kann nicht vorausschauen. Wir können das aber wohl!“

Steven Van Gucht zeigte sich bei der Pressekonferenz von Sciensano am Montag hocherfreut

Ohne diese Anstrengungen nicht zuletzt der Bevölkerung konnte Schlimmeres verhindert werden, so der Virologe: „Sonst hätte das spätestens ab dem 9. August zu über 700 täglichen Infizierungen geführt. Aber wir hatten ein Abflachen der Kurve auf weniger als 300 Infizierungen pro Tag und es blieb darunter. Inzwischen ist die Zahl der täglichen Ansteckungen in Antwerpen auf unter 100 am Tag gesunken.“

Auch in der Hauptstadt-Region Brüssel, wo ein deutliches Aufflackern des Virus ab dem 27. Juli erkennbar wurde, gehen die Zahlen laut Van Gucht langsam wieder nach unten: „Hier flacht die Kurve seit dem 10. August wieder ab. Hier hätten wir ohne zusätzliche Maßnahmen die Kurve weiter auf bis zu 300 Infizierungen pro Tag steigen gesehen, während wir momentan 112 Ansteckungen täglich haben. Der Zustand von Brüssel befindet sich derzeit aber noch auf einem Status Quo.“

Die Provinz Antwerpen und die Brüsseler Hauptstadt-Region gelten in Teilen des europäischen Auslands noch als „rote Zonen“ für die Reisewarnungen gelten und Quarantäne-Empfehlungen bei der Rückreise von dort. Heute liegen die Werte in ganz Belgien wieder etwa da, wo sie vor der Hitzewelle waren, so Van Gucht. 

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