Harter Polizeieinsatz: Viele Lücken im Polizeibericht im Fall Chovanec

Der Bericht zum Einsatz der Flughafenpolizei von Charleroi im Fall des einige Tage danach verstorbenen Slowaken Jozef Chovanec im Februar 2018 weist viele Lücken auf. Besonders in einigen entscheidenden Bereichen fehlen in diesem Bericht wichtige Elemente.

In der Montagsausgabe der flämischen Tageszeitung De Morgen, die Einblick in den entsprechenden Polizeibericht hatte, ist die Rede von eklatanten Lücken. Laut De Morgen wird der Einsatz gegen Jozef Chovanec lediglich grob zusammengefasst. So steht darin nicht, dass das Gesicht des Slowaken mit einer Decke bedeckt war. 

Ebenfalls fehlt darin die Tatsache, dass gleich mehrere Polizisten auf dessen Rücken saßen. Und der Hitlergruß der jungen Polizeibeamtin in der Zelle am Flughafen von Charleroi gleich neben dem geplagten Slowaken wird ebenfalls nicht erwähnt.

All diese Elemente sind jedoch eindeutig auf dem Überwachungsvideo der Zelle zu sehen, dessen Veröffentlichung durch flämische Tageszeitung Het Nieuwsblad den Fall zweieinhalb Jahre nach dem eigentlichen Vorfall wieder ins Rollen brachte.

Nicht auf dem Video zu sehen sind die Vorgänge im Flugzeug von Ryanair, aus dem die Polizisten den Slowaken geholt hatten und die harte Vorgehensweise gegen den Mann auf dem Rollfeld vor der Maschine. Dies jedoch fotografierten andere Reisende mit ihren Handys und in den vergangenen Tagen meldeten sich Zeugen bei den Medien, die die Vorgehensweise der Polizei an den Pranger stellen.

Inzwischen sorgt der Fall auch in der Slowakei, im Heimatland des Verstorbenen, für Wirbel. Am Mittwoch wird sich das slowakische Parlament mit dem Fall beschäftigen. Am Dienstag müssen sich in Belgien einige hohe Politiker und Polizisten vor der gemeinsamen Versammlung der Parlamentsausschüsse für Inneres und Justiz den  Fragen der Abgeordneten stellen. Darunter ist auch der derzeitige flämische Ministerpräsident Jan Jambon (N-VA), der zum Zeitpunkt des Vorgangs belgischer Innenminister war, also kraft seines Amtes Aufsichtsminister der Polizei. 

Was löste diesen Fall aus?

Im Februar 2018 war der damals 38 Jahre alte Slowake Jozef Chovanec am Flughafen von Charleroi (Hennegau) aus einem Flugzeug geholt worden, nachdem er sich dort angeblich aggressiv verhalten hatte. Er wurde damals von der Flughafenpolizei mit harter Hand in eine Art Arrestzelle gebracht, wo er Amok lief und sich den Kopf an den Wänden blutig schlug. 

Erste Versuche, den Slowaken ruhig zu stellen, scheiterten und sechs Polizisten stürmten danach die Zelle. Sie zogen ihm eine Decke über den Kopf und mehrere der Beamten knieten auf ihm, um ihn zu fixieren.

Im Rahmen dieses Einsatzes zeigte, wie inzwischen bekannte Bilder einer Überwachungskamera belegen, eine Polizistin „nur so zum Spaß“ dabei den Hitlergruß. Nach diesem Einsatz verabreichte ein Arzt Chovanec eine Beruhigungsspritze, doch dabei setzte ein Herzstillstand ein.

Nur drei Tage später starb der Slowake in einem Krankenhaus. Inzwischen scheint deutlich zu sein, dass die Polizisten Jozef Chovanec für einen Deutschen hielten. Ob dies die Polizistin dazu veranlasste, den Hitlergruß zu zeigen, sei dahingestellt…

Der Fall löste in Belgien einigen Wirbel aus, der bis in höchste politische Kreise führt und in dem auch hohe Polizeibeamte unter Druck geraten sind. Vom Versuch, diesen Fall zu vertuschen, ist hier nicht selten die Rede. 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten