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Witwe von Jozef Chovanec: jegliches Vertrauen in belgische Justiz verloren

In einem Interview mit der VRT hat die Witwe des Slowaken Jozef Chovanec erklärt, sie habe jegliches Vertrauen in die belgische Justiz verloren. Sie glaube auch nicht, dass ihr Mann in einem Krankenhaus an einem Herzinfarkt gestorben sei, sondern aufgrund der Polizeigewalt in einer Zelle auf dem Flughafen von Charleroi.

Jeder schützt jeden“, sagt Henrieta Chovancova auch: „Deshalb konnte ich nicht anders handeln, als die Bilder der Überwachungskamera veröffentlichen.“

Am 24. Februar 2018, kurz vor Mitternacht, hatte Frau Chovancova einen Anruf von ihrem Schwager erhalten. Mit ihrer Tochter befand sie sich auf dem Flughafen von Bratislava, wo ihr Mann mit einem Flugzeug aus Belgien landen sollte. Ihr Schwager erzählte, ihr Mann sei festgenommen worden und müsse die Nacht in der Zelle verbringen.

Am nächsten Morgen erhielt sie erneut einen Anruf von ihrem Schwager mit der Bitte, ihren Mann anzurufen. Die Person, die abhebt, berichtet, ihr Mann sei in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert worden. Noch am selben Tag fährt sie mit dem Auto nach Belgien. Als sie im Krankenhaus ankommt, wird sie von den Ärzten informiert, dass ihr Mann hirntot sei und man die Maschinen bald abstellen werde.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass er in der Zelle gestorben ist. Ich glaube nicht, dass er an einem Herzinfarkt starb, sondern von der Polizei erstickt worden ist. Der Herzinfarkt war nur ein Ablenkungsmanöver, um die ganze Sache geheim zu halten.“

Keine andere Wahl als die Presse einzuschalten

Im Interview, das VRT-Journalist Jan Balliauw in Bratislava führte, sagt die Witwe des Geschäftsmannes auch, dass sie nach zweieinhalb Jahren keine andere Möglichkeit sah, als die Presse einzuschalten. „Das war eine sehr schwere Entscheidung, denn ich wollte nicht, dass diese Bilder aus der Zelle um die Welt gehen. Aber ich hatte keine andere Möglichkeit als diese.“

Henrieta Chovancova hat ihr Vertrauen in die belgische Justiz und in den ehemaligen Innenminister Jan Jambon verloren: „Wie kann man dieser Person glauben? Zuerst sagt er das eine, dann etwas anders.“

Ihren Kampf um die Wahrheit will die Slowakin nicht aufgeben: „Nichts bringt mir meinen Mann zurück, aber vielleicht kann ich verhindern, dass in Zukunft andere Menschen Opfer dieser Bestien werden.“

Jozef Chovanec wurde von der Flughafenpolizei aus der Maschine nach Bratislava geholt, als er sich weigerte, sein Ticket zu zeigen. Auch in der Zelle verhielt er sich widerspenstig und schlug sich u. a. den Kopf an der Wand blutig. Daraufhin versuchten mehrere Beamte ihn zu übermeistern, stülpten ihm eine Decke über den Kopf und setzten sich minutenlang auf ihn, damit er sich nicht bewegen konnte. Eine Beamtin machte den Hitlergruß. Die Vorfälle in der Polizeizelle wurden von einer Kamera festgehalten. Ein Arzt untersuchte den Slowaken oberflächlich und verabreichte ihm eine Beruhigungsspritze. Danach erlitt der Chovanec einen Herzstillstand. Im Koma wurde er noch ins Krankenhaus gebracht, wo er drei Tage später verstarb. 

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