Belgien: Terrorbedrohung geht zurück - Gefahr von rechts - Schutz für Virologen

Nach Ansicht von Paul Van Tigchelt (Foto), dem Leiter des belgischen Anti-Terrorstabs OCAD, geht die Terrorgefahr von Seiten von radikalen Islamisten in unserem Land eher zurück. Aufwind hingegen bekommen Rechtsradikale, die sich im Internet formieren und dort Verschwörungstheorien verbreiten. Nicht zuletzt stellt OCAD fest, dass in Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen im Land inzwischen auch Mediziner bedroht werden, die der Regierung beratend zur Seite stehen.

Seit 2015, also seit den Anschlägen auf Paris und Brüssel, war die Terrorgefahr von Seiten von islamistischen Radikalen, z.B. Mitgliedern der Terrorgruppe IS, in Belgien sehr hoch. Mehrere Terrorzellen wurden in unserem Land ausgehoben und Attentäter kamen auch aus unserem Land. Inzwischen geht diese Art der Terrordrohung zurück, so OCAD-Leiter Paul Van Tigchelt gegenüber VRT NWS.

Doch Entwarnung könne hier nicht gegeben werden, denn in unserem Land befinden sich etwa 130 ehemalige Syrien-, Irak- und/oder IS-Kämpfer, die zurückgekehrt seien. Einige davon sind noch im Gefängnis, andere haben ihre Haftstrafen bereits abgesessen. Alle stehen aber unter Beobachtung von Behörden und Polizei, denn deren Ideologie sei nicht verschwunden.

Gefahr durch Rechtsradikale

Inzwischen aber verstärke sich die Gefahr von rechter Seite her. Auch in Belgien formiere sich die radikale Rechte, so Van Tigchelt und zwar in erster Linie im Internet. Sie verbreite dort über die sozialen Netzwerke radikale Verschwörungstheorien gegen den belgischen Staat und nutze dazu auch die Corona-Epidemie und die gesellschaftlichen Folgen davon.

Die belgischen Nachrichten- und Geheimdienste beobachten derzeit mindestens 40 Rechtsradikale in unserem Land, die übrigens die gleichen Taktiken gebrauchen würden, wie die Islamisten. Durch gezielte Falschinformationen und Komplott-Theorien würden potentielle Kämpfer angelockt und rekrutiert und bei beiden Bewegungen gehe die Gefahr zurzeit von „einsamen Wölfen“ aus, also von radikal-verblendeten Einzelkämpfern.

Polizeischutz für Virologen

Als Bedrohung terroristischer Natur bezeichnet der OCAD inzwischen auch die Drohungen gegen führende Mediziner und Virologen, die die belgische Bundesregierung in Sachen Corona-Exit-Strategie beraten.

Darunter sind derzeit vor allem der in den Medien oft auftretende Virologe Marc Van Ranst von der Uni Löwen (KU Leuven) und die Leiterin der GEES-Expertengruppe der Regierung, die Virologin Erika Vlieghe von der Uniklinik Antwerpen (UZA). Derzeit bekommen vier Mediziner und Virologen Polizeischutz, darunter auch Vlieghe und Van Ranst. Zwei weitere Betroffene werden nicht namentlich genannt. 

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