AKW Tihange bei Huy in der Nähe von Lüttich

Urteil: Die belgischen Kernreaktoren Doel 3 und Tihange 2 werden nicht vorzeitig stillgelegt

Das erstinstanzliche Gericht in Brüssel hat die Forderung, die Pannenreaktoren Doel 3 und Tihange 2 trotz tausender Haarrisse in den Reaktor-Ummantelungen von Netz zu nehmen, abgelehnt. Mehrere Anti-Atomkraft-Gruppen, zwei deutsche Bundesländer, Städte und Gemeinden in Deutschland und Luxemburg hatten diese Abschaltung auf juristischem Weg zu erreichen versucht, weil ihrer Ansicht nach diese Reaktoren nicht sicher seien. 

Der belgische Staat, der Kraftwerksbetreiber Engie und die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC waren der Ansicht, dass die beiden seit langem umstrittenen und bereits mehrmals wegen technischen Schäden heruntergefahrenen Reaktoren Doel 3 im gleichnamigen AKW bei Antwerpen und Tihange 2 im AKW bei Lüttich trotz der Haarrissen in den stählernen Reaktorummantelungen sicher seien.

Deren Argumentation folgte das Brüsseler erstinstanzliche Gericht und aus diesem Grunde werden die beiden Reaktoren wohl vorerst nicht vom Netz genommen.

Die Klagen wurden bereits 2016 eingereicht. Die Haarrisse waren der Öffentlichkeit seit etwa 2012 bekannt. Die beiden Reaktoren waren 1975 gebaut und in Betrieb genommen worden und schon damals sei die Tatsache bekannt gewesen, dass die Ummantelung problematisch war - auch und gerade durch schlechten Stahl. Sie hätten nach Ansicht der Kläger gar nicht erst gebaut werden dürfen.

Eine Klägergruppe, die Vereinigung Stop Kernenergie, hat offenbar auf eine Berufung gegen das Urteil verzichtet, denn die beiden Reaktoren werden 2022 bzw. 2023 so oder so vom Netz genommen, wie im belgischen Gesetz zum Atomausstieg festgeschrieben ist. Die verschiedenen Kläger und auch andere Anti-Atomkraftgruppen hatten rund 500.000 Unterschriften gesammelt, die die Stilllegung der beiden Reaktoren fordern. 

AKW Doel bei Antwerpen
imago/Jochen Tack

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