Die Brüsseler dürfen einen neuen Namen für den Leopold II.-Tunnel suchen - Es muss ein Frauenname sein!

Der Leopold II.-Tunnel in Brüssel, der längste Straßentunnel in Belgien, bekommt einen neuen Namen. Der Name des umstrittenen Kolonial-Königs soll verschwinden. Die Region Brüssel-Hauptstadt lässt jetzt die Bevölkerung nach einen neuen Namen suchen, stellt jedoch eine Bedingung: Es muss ein Frauenname sein. Damit will die Region die Bedeutung des weiblichen Geschlechts in der Gesellschaft und in der Öffentlichkeit nicht nur symbolisch stärken.

Die Umbenennung des Tunnels, weg vom Namen des umstrittenen König Leopold, der im Zuge der „Black Lives Matters“-Diskussion durch den brutalen Umgang mit der Bevölkerung in den afrikanischen Kolonien unseres Landes einmal mehr mit Schimpf und Schande bedacht wurde, ist für Brüssel ein wichtiges gesellschaftliches Unterfangen. 

Und aus diesem Grunde wird auch nach einem Frauennamen gesucht. Nur 6,1 % der Straßen sind in der Brüsseler Hauptstadt-Region nach einer Frau benannt, sagte Brüssels regionale Mobilitätsministerin Elke Van den Brandt (Groen):

„Wir sollen dieses Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Straßennamen abschaffen. Der Leopold II.-Tunnel ist ein sehr symbolischer Ort und, weil es sich dabei um einen Tunnel handelt, muss hier auch niemand seine Adresse anpassen, was den Vorgang vereinfacht. Überdies wird der Tunnel gerade renovier. Ein schöner Augenblick für einen neuen Start!“

Ein erster partizipativer Schritt in Brüssel ist damit gesetzt

Brüssel lässt sich bei der Suche nach diesem neuen Namen von der hiesigen Bevölkerung helfen. „Wir hoffen, dass dieser erste partizipative Schritt zu einem größeren Bewusstsein dafür führt, mehr Straßen in den Vierteln einen Frauennamen zu geben oder um in den Gemeinden Bürgerinitiativen ins Leben zu rufen, um solche Veränderungen vorzuschlagen“, sagte Brüssels Regionaler Minister für Chancengleichheit, Nawal Ben Hamou (PS) dazu.

Vorschläge können noch bis Ende September gemacht werden. Inzwischen sind bereits rund 3.000 Vorschläge eingegangen, darunter auch der Name der am Samstag erst verstorbenen Sängerin und Schauspielerin Annie Cordy. Die Künstlerin, die aus dem Brüsseler Stadtteil Laken stammt, wurde 92 Jahre alt.

Auf Basis der Einsendungen wird ein Experten-Komitee eine Liste zusammenstellen, die dann erneut der Brüsseler Bevölkerung vorgelegt wird, um im November einen definitiven Namen für den Tunnel bekanntgeben zu können. Dieses Komitee ist aus Frauenrechtler(innen), aus Vereinigungen, die sich mit dem Thema „Dekolonisierung“ in Brüssel beschäftigen und aus Akademikern zusammengesetzt. 

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