Impfstoff-Euphorie bei Trump: Kein sicher getesteter Impfstoff vor 2021 sagt Epidemiologe Van Damme

US-Präsident Donald Trump geht davon aus, dass noch während seiner Präsidentschaft in Rekordzeit ein Impfstoff gegen das Corona-Virus auf den Markt kommt. Vorsichtiger äußerte sich die EU-Kommissionsbeamtin Sandra Gallina, die die ersten Impfdosen im Dezember erwartet. Der Antwerpener Epidemiologe Pierre Van Damme dämpft die Erwartungen und schätzt die Chancen realistischer für Mitte 2021.

Russland soll bereits einen effizienten Impfstoff haben, US-Präsident Trump kündigt einen Corona-Impfstoff für Oktober an, auf der Zielgeraden zu den Wahlen und die EU-Kommission erwartet einen Durchbruch für Dezember 2020.

„Ich befürchte, dass die verschiedenen Großmächte sich hier ein Showdown liefern“, reagiert der Epidemiologe der Universität Antwerpen, Pierre Van Damme: „Wir wissen aber, dass einige Pharmaunternehmen wohl auf der richtigen Spur sind. Über die Effizienz dieser Impfstoffe können wir uns derzeit jedoch nicht aussprechen. Diese Ankündigungen scheinen mir zu optimistisch“, dämpft Van Damme die Erwartungen.

Erst Mitte 2021?

Ein weitreichendes Impfungsprogramm soll erst ab Mitte nächsten Jahres möglich sein, glaubt der Antwerpener Epidemiologe: „Der Impfstoff muss zuerst auf breiter Ebene getestet und die Wirkung des Impfstoffes in allen Einzelheiten dokumentiert werden. Diese Daten sind einer gründlichen Analyse zu unterziehen. Die zuständigen Behörden brauchen wenigstens einen Monat, um diese Daten in allen Einzelheiten zu untersuchen. Erst danach kann von einer Zulassung die Rede sein“, erklärt Van Damme: „Das heißt, dass wir Mitte 2021 sind, wenn wir auf eine korrekte und realistische Art und Weise verfahren.“

Die Leiterin der Generaldirektion für Gesundheit bei der EU-Kommission, Sandra Gallina, geht davon aus, dass in der EU ab Mitte April 2021 auf breiter Ebene gegen Corona geimpft werden kann. Die Dosen sollen innerhalb der EU-Mitgliedstaaten verteilt werden, ausgehend von der Anzahl Einwohner.

Jedes EU-Mitgliedsland entscheidet eigenständig, welche Bevölkerungsgruppe zuerst gegen Corona geimpft wird. Die Verhandlungen mit den Pharmakonzernen führt die EU-Kommission. Vorläufig hat die EU-Kommission einen Vertrag für 300 Millionen Impfstoffdosen unterzeichnet.

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