Regierungsbildung in Belgien:  Corona-Quarantäne und Video-Konferenzen

Am Dienstag wurde bekannt, dass sich Vor-Regierungsbildner und Open VLD-Parteichef Egbert Lachaert mit dem Coronavirus angesteckt hat. Er ist jetzt für 14 Tage in Quarantäne. Sein Co-Vor-Regierungsbildner Conner Rousseau (Foto), der Vorsitzende der SP.A, ist zwar negativ getestet worden, wartet aber einen zweiten Test ab und begibt sich vorerst auch in Quarantäne. Im ersten allgemeinen Test für alle Beteiligten zeigte sich am Mittwoch kein anderer infiziert.

Das bedeutet, dass die Verhandlungen zur Bildung einer neuen belgischen Bundesregierung vorerst in weiten Teilen über Video-Konferenzen stattfinden wird.

Nach Informationen von VRT NWS sollte jeder getestet werden, der an den Gespräche bisher teilgenommen hat: Die Parteichefs der fünf anderen Parteien, die die sogenannte „Vivaldi“-Koalition bilden sollen, deren Mitarbeiter und sogar König Philippe, der am vergangenen Freitag mit Lachaert und Rousseau zusammengesessen hatte.

Am Mittwoch wurde aber weitgehend Entwarnung gegeben, denn alle Tests erwiesen sich als negativ. Nur Lachaert ist also mit Covid-19 infiziert. Und doch bleiben alle Beteiligt aus Vorsicht erst einmal in Quarantäne, wie Conner Rousseau offiziell mitteilte. Inzwischen hat übrigens Vizepremier Alexander De Croo den Vorsitz bei den flämischen Liberalen Open VLD stellvertretend für Lachaert übernommen. 

Virologe Steven Van Gucht unterstreicht indessen, dass sich am besten alle Betroffenen zweimal auf das Virus testen lassen müssen, denn es könne sein, dass Corona bei einigen Personen erst nach mehreren Tage ausbricht oder zumindest zum Vorschein komme.

Was die Corona-Infizierung von Egbert Lachaert im Einzelnen für die Regierungsbildung bedeutet, bleibt abzuwarten. Am Freitag, den 11. September ist eine neue Audienz beim König vorgesehen und am 17. September muss die aktuelle Minderheitsregierung um Premierministerin Sophie Wilmès (MR) im Parlament die Vertrauensfrage stellen… 

Trotzdem sollen bis zum 18. September keine physischen Treffen und Verhandlungsrunden möglich sein, denn die Betroffenen sollen in Quarantäne bleiben, bis ein zweiter Test gemacht und analysiert werden kann. 

Die meisten Beteiligten sind der Ansicht, dass an beiden Deadlines (11. und 17. September) geschoben werden könne. Inzwischen gab auch der Palast bekannt, dass der Coronatest bei König Philippe negativ ausgefallen sei. Auch mit ihm muss jetzt besprochen werden, wie es zeitlich und formal weitergehen wird. 

Inzwischen meldete sich auch Egbert Lachaert selbst per Twitter, den es dann doch heftiger erwischt hat: „Die Müdigkeit nach intensiven Tagen schien normal. Doch die fiebrige Kraftlosigkeit von heute ist noch etwas ganz anderes. Das wünsche ich niemandem. Vielen Dank für alle Genesungswünsche. Hoffentlich können wir bald wieder mit unserem normalen Leben weitermachen #COVID19.“

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