Gouverneurshaus in Brügge: Wo Napoleon, der deutsche Kaiser und Prinz William sich zur Ruhe betteten

Sieben Jahre hat die aufwendige Restaurierung des ehemaligen Bischofspalastes und der heutigen Amtswohnung des Provinzgouverneurs von Westflandern gedauert. Jetzt aber strahlt das historische Gebäude in der Innenstadt von Brügge wieder in neuem Glanz.

Seit seiner Errichtung als bischöflicher Palast,  Mitte des 16. Jahrhunderts, wurde das Gebäude in der Brügger Altstadt mehrmals umgebaut und dem Zeitgeist angepasst. Vom Barock verwandelte sich sein Inneres und Äußeres, im 18. Jahrhundert, in die klare Geradlinigkeit des Klassizismus. Die Französische Revolution schasste die Bischöfe, an deren Stelle die Präfekten aus Frankreich einzogen.

Unter den Franzosen wurde der Palast erneut umgebaut, diesmal im Empirestil.

Nach der Niederlage Napoleons erkoren die Niederlande den Palast op de Brug zur neuen Residenz ihrer Gouverneure (1815-1830).

Seit der belgischen Unabhängigkeit ist der ehemalige Bischofspalast die Amtswohnung des Provinzgouverneurs von Westflandern. Dieses Amt hat seit dem 1. Februar 2012 Carl Decaluwé (CD&V) inne.

Im folgenden Video zählt er illustre Gäste der Residenz auf.

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Napoleon, Churchill, Queen Elizabeth, William und Kate …

Seine kostbare Einrichtung und sein erlesener Stil waren für seine Hausherren seit je ein Trumpf, um hohe Gäste im Gouverneurshaus zu empfangen.

Carl Decaluwé beginnt bei Napoleon und dem deutschen Kaiser, fährt mit Winston Churchill und der Queen fort, nennt auch den chinesischen Präsidenten und das jordanische Königspaar …

Nicht zu vergessen Prinz William und Prinzessin Kate, die  2017 eine Nacht in der königlichen Suite (im Stil des ersten französischen Kaiserreichs (1804-1815)) verbracht haben.  Ein Besuch, der geheim bleiben musste, so Gouverneur Decaluwé. Kate und William aber seien ganz normale Gäste gewesen. 

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Besuchen?

Weil hier auch die Provinzverwaltung arbeitet, ist das Gouverneurshaus nur nach Termin zugänglich. Normalerweise werden am Donnerstagnachmittag Führungen organisiert, aber wegen der Corona-Maßnahmen werden diese zurzeit nicht angeboten.

Anlässlich des Abschlusses der Renovierungsarbeiten ist beim Verlag Lannoo ein Bildband über diese verborgene Perle von Brügge erschienen.

Vor acht Jahren hat Flandern den Prestigebau vom Bund übernommen und umfangreiche Renovierungen gestartet. Laut Gouverneur Decaluwé beruht das ganze Konzept auf drei Pfeilern: Einnahmen aus der Nutzung des Gebäudes als Filmdekor (zwecks Restaurierung von Bildern), Möbelrestauration in Zusammenarbeit mit der Technischen Schule von Brügge (im Rahmen der Studienabschlussarbeiten) und Geldmittel der Landesregierung (Eigentümer).

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