Sextortion: Form von Gewalt, die häufiger vorkommt als gedacht

Einer neuen Untersuchung des Instituts für Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zufolge, werden private Nacktfotos oder -videos aus Rache und Erpressungsgründen viel häufiger publik gemacht als  angenommen. Zirka 15 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer in Belgien sollen bereits Opfer von Sextortion geworden sein.

Seit Juli 2020 können Opfer einer Erpressung mit Nacktfotos oder -videos Beistand beim Institut für die Gleichberechtigung von Mann und Frau anfragen. Innerhalb von nur zwei Monaten hat das Institut bereits 20 Akten angelegt: „Das ist besonders viel“, sagt Liesbet Stevens, „da es sich um eine neue, zusätzliche Kompetenz des Instituts handelt und es normalerweise etwas dauert, bevor die Leute wissen, an wen sie sich wenden können.“

Von den 15 Prozent Frauen und 3 Prozent Männern, die unter Druck gesetzt wurden, um Nacktfotos und -videos zu versenden, haben je 15 und 7 Prozent erlebt, dass ihre Bilder ohne Zustimmung geteilt wurden.

1 Prozent Frauen und 1 Prozent Männer mussten erdulden, dass diese privaten Aufnahmen ins Internet gestellt und damit einem Millionenpublikum angereicht wurden.

Form von digitaler Gewalt

„Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass die Bloßstellung schwerwiegende Folgen für die Opfer haben kann“, so Liesbet Stevens: „Es handelt sich hier um eine Form von digitaler Gewalt.“

Meistens bleiben den Opfern nur wenige Stunden, um einzugreifen und zu verhindern, dass die Bilder nicht mehr zu löschen sind. Liesbet Stevens (Foto unten):: „Man geht davon aus, dass die Bilder nicht mehr vollständig gelöscht werden können, wenn sie über sechs Stunden im Internet sind, Das ist die bittere Realität, über die wir viele Opfer aufklären müssen.“ 

Zurückschlagen

Das Institut klärt Opfer auch darüber auf, wie sie sich wehren können. Facebook, Google und Twitter haben in dieser Hinsicht mittlerweile Verfahren ausgearbeitet. Weil unverzügliches Eingreifen gefordert ist, hat das Institut einen Leitfaden für Geschädigte erstellt, der die verschiedenen Verfahren erfasst. Darüber hinaus leistet das Institut auch juristischen und psychologischen Beistand.

Child Focus

Nachdem mehrere flämische Promis in den letzten Tagen Opfer von Sextortion geworden sind und öffentlich reagiert haben, begrüßt die Kinderschutzorganisation Child Focus die Aufmerksamkeit, die diesem Thema jetzt gewidmet wird. „Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene begreifen jetzt, dass es jedem passieren kann“, sagt Heide De Pauw von Child Focus (Foto unten): „Der Fokus muss jetzt auf Prävention liegen. Wie können wir dies in Zukunft verhindern?“

Einer von fünf Jugendlichen wurde schon wegen privater Nacktaufnahmen erpresst.

Zur Präventionsarbeit zählt De Pauw u. a. den Tipp, auf erotischen Fotos, die man einem Partner sendet, unerkannt zu bleiben und keine Merkmale wie Tattoos abzubilden. 

Ebenso müssen alle jene gewarnt werden, Nacktbilder weiterzuleiten, die man ungefragt bekommen hat. Diese Weitersendung ist strafbar.

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