Beschleunigung der Corona-Ansteckungen beunruhigt die Virologen

Mit Spitzen bis zu über 960 Corona-Neuinfektionen am Samstag und über 636 Infektionen im Schnitt pro Tag während der Woche vom 3. bis 9. September hat eine Beschleunigung der Ansteckungszahlen eingesetzt. Steven Van Gucht (oben) von der Gesundheitsbehörde Sciensano nennt die Entwicklung beunruhigend. Virologe Marc Van Ranst hält an den geltenden Maßnahmen fest. „Problem ist, dass man diese Maßnahmen in Frage stellt.“

Mit einem solchen Wochendurchschnitt werden wir schnell auf über 1.000 neue Infektionen pro Tag kommen, äußerte sich Stevan Van Gucht im VRT-Sonntagsprogramm De zevende dag besorgt.

Van Gucht erklärt die Tendenz u. a. damit, dass jetzt mehr Menschen sich testen lassen. In den letzten Tagen und Wochen wurden bis zu 30.000 Personen pro Tag getestet. 2,8 % der Corona-Tests fallen positiv aus. Die Anzahl positiver Tests steigt nicht wirklich an, geht aber auch nicht wirklich zurück, betont Van Gucht.

Verstärkte Testaktivitäten sind  nicht der einzige Grund für die Zunahme „Aber wir haben noch nicht genug Anhaltspunkte, um andere Gründe näher zu bestimmen.“

Der Virologe stellt wohl einen Unterschied zu der Entwicklung im Sommer fest: „Im Sommer haben wir den Anstieg insbesondere in den Städten und Vororten beobachtet. Jetzt breitet sich das Virus sofort in allen Provinzen aus. Deshalb vermuten wir, dass Rückkehrer aus dem Urlaub und der Schulanfang am 1. September die Beschleunigung beeinflussen."

Spanien im Auge behalten

Kris Van Exel / Photo News

Binnen einer Woche ist die Anzahl der Krankenhauseinlieferungen wegen Corona  von 17 auf 27 pro Tag  (+58 Prozent) gestiegen. Eine logische Entwicklung, da die Zunahme der steigenden Ansteckungskurve folgt.

Weil Spanien uns auf der Kurve voraus ist, sollten wir das Land im Auge behalten“, sagt der Sciensano-Mitarbeiter Van Gucht: „Auch dort grassierte das Virus zuerst wieder unter der jungen Bevölkerung, die weniger schnell erkrankt.“

„Aber jetzt stellen wir fest, dass die jungen Leute die älteren Leute anstecken. Wodurch die Krankenhauseinlieferungen und Todesfälle in Spanien  zunehmen“, sagte Virologe Marc Van Ranst der VRT (oben): „Und das wollen wir vermeiden.“

Verschärfung der Schutzmaßnahmen nicht erforderlich

Eine Verschärfung der Maßnahmen scheint dem Virusexperten nicht angebracht: „Die aktuellen Maßnahmen sind prima. Problem ist, dass sie jetzt in Frage gestellt werden. Von Meinungsbildnern und sogar von gewissen Politikern“, bemerkte Van Ranst.

Beide Virologen hoben in ihren Reaktionen auch die Bedeutung des Kontakt-Tracing hervor. Wenn die Ansteckungszahlen weiter zunehmen, müssen auch die Kontaktstellen mehr Mittel bekommen. Jeder der Corona hat, muss vom Kontakt-Tracing erfasst werden, damit Infektionsherde so schnell wie möglich unschädlich gemacht werden können.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten