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Typisch Brüssel: ein Half-en-half zum Aperitif!

Gibt’s in diesen Zeiten noch Geheimtipps? Fast traut man sich nicht, etwas als solchen weiterzuempfehlen. Wenn die Aperitif-Szene aber wie jetzt von Aperol und anderen knallfarbigen Mix-Getränken plattgewalzt wird, kommt der Brüsseler Half-en-half, unprätentiös prickelnd in seinem schlanken Kelch, wie ein Trank aus anderen Zeiten vor.

Genau wie das Café an der ehemaligen Börse, in dem die Uhren vor fast 140 Jahren stehen geblieben scheinen … Im Cirio servieren die Kellner den Half-en-half stilgerecht: Das heißt, eingeschenkt wird erst am Tisch, eine Hälfte Wein und eine Hälfte Sekt. Die Kunst besteht darin, den Kelch so knapp bis unter dem Rand zu füllen, dass ein einziger weiterer Tropfen das Glas zum Überlaufen bringen würde. 

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Tradition seit den 1940er Jahren

Den Ursprung des Half-en-half lässt sich ziemlich genau zurückverfolgen.

In den Lokalen rund um die Brüsseler Börse gingen die Aktienverkäufer und Spekulanten ein und aus. Wer Gewinne einstreichen konnte, bestellte im Cirio oder auch im Falstaff – ebenfalls eines der typischen Cafés im Art-nouveau-Stil – Champagner. Die Verlierer mussten sich bescheidener geben und baten die Kellner, ihr Glas zur Hälfte mit Champagne und zur Hälfte mit Wein zu füllen.

Seitdem hat sich der Trosttrunk verspekulierter Börsenmakler bei Jung und Alt eingebürgert. 

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