Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block

"Bitte respektiert die Corona-Maßnahmen!"

Die weiter steigenden Zahlen der Neuinfizierung mit dem Coronavirus Covid-19 bereiten den belgischen Gesundheitsbehörden, allen beteiligten Fachkräften und Politikern derzeit große Sorgen. Um die Zahlen wieder stabilisieren zu können, so der allgemeine Aufruf, sollten die geltenden Regelungen eingehalten werden, auch wenn dies schwierig sei. Doch nicht jeder stimmt dem zu. 

Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD - Foto) ist deutlich. Gegenüber den VRT-Mittagsnachrichten sagte sie am Montag, dass sie sich große Sorgen mache: „Ich mache mir Sorgen. Das Virus bleibt gefährlich. Es sterben noch immer Menschen daran. Die Leute müssen die Maßnahmen respektieren. Ich weiß, dass diese Maßnahmen nicht lustig sind, doch es bleibt wichtig, sie einzuhalten. Vor allem die Quarantäne bleibt wichtig. Viele Menschen treffen sich wieder, die Schulen sind geöffnet, Sportvereine nehmen ihre Aktivitäten wieder auf. Kurzum, es ist wieder mehr Verkehr zwischen den Menschen und das gibt dem Virus Kraft. Das müssen wir absolut vermeiden.“

Ob neue und strengere Maßnahmen ergriffen werden sollen, will De Block damit noch nicht sagen, nur so viel: „Die Maßnahmen müssen eingehalten werden, sonst bekommen wir das Virus nicht in den Griff. Es ist wichtig, dass die Leute begreifen, wie gefährlich dieses Virus bleibt. Es kommen noch immer Menschen ins Krankenhaus und es sterben noch immer Menschen…“ 

Wir müssen vor allem danach streben, dass es nicht viel höher steigt und schon gar nicht so schnell, dass die Krankenhäuser nicht mehr folgen können.“

Steven Van Gucht, Virologe und Sciensano-Leiter

Der Virologe Steven Van Gucht (Foto unten) sieht das nicht viel anders, wie er ebenfalls in den TV-Nachrichten der VRT andeutete: „Wir müssen vor allem danach streben, dass es nicht viel höher steigt und schon gar nicht so schnell, dass die Krankenhäuser nicht mehr folgen können. Es muss sich wirklich etwas stabilisieren. Es wäre schön, wenn die Zahlen auch wieder sinken würden.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Steven Van Gucht

Dass die steigenden Infizierungszahlen eine Folge von mehr Coronatests seien, will Van Gucht nicht so stehen lassen: „Das Virus zirkuliert wieder mehr als vor einigen Wochen. Wir machen heute 30.000 Tests pro Tag, doch der Prozentsatz der positiven Tests sinkt nicht, im Gegenteil. Es steigt inzwischen wieder leicht. Das ist ein Hinweis darauf, dass das Virus wieder mehr zirkuliert. Wir sehen ja auch, dass wieder mehr Betroffene ins Krankenhaus müssen. 

Gerade im Minimalisieren versteckt sich die größte Gefahr. Der Punkt ist ja nicht, dass man keinen mehr sehen darf. Man kann ja Familie und Freunde treffen, aber eben mit Abstand.“

Erika Vlieghe, Bakteriologin und Leiterin der GEES-Gruppe

Inzwischen macht sich bei den Menschen im Land eine deutliche Corona-Müdigkeit bemerkbar, wie eine Reportage für die VRT-Nachrichten unterstreicht. Dort war zu sehen, dass je jünger die dazu befragten Leute waren, je überdrüssiger sie sind….

Und da stellt die Bakteriologin Erika Vlieghe (Foto unten) ein Problem fest: „Gerade im Minimalisieren versteckt sich die größte Gefahr. Der Punkt ist ja nicht, dass man keinen mehr sehen darf. Man kann ja Familie und Freunde treffen, aber eben mit Abstand. Die 5er-Blase sind enge Kontakte und die sollten am besten eingeschränkt bleiben. Mit Freunden ist das natürlich eine Herausforderung. (…) Dringender ist jetzt, dass Politik und Behörden erkennen, dass die Zahlen steigen und dass sie das kommunizieren. Wichtig ist auch, dass jeder das ernst nimmt…“  

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Erika Vlieghe

Jean-Luc Gala (Foto unten), Facharzt für Infektionskrankheiten an der Brüsseler Saint-Luc-Klinik in Sint-Lambrechts-Woluwe, sieht dies alles ganz anders: „Das mehr jüngere Leute sich mit dem Virus infizieren, ist gerade eine gute Sache!“ Dies trage zu einer Gruppenimmunität bei, so Gala gegenüber dem VRT-Sender Radio 2/Flämisch-Brabant und Brüssel: „Das brauchen wir. Wenn wir alle auf einen Impfstoff warten, dann können wir noch lange warten, bis wir wieder zur Normalität übergehen können.“

Das aber diese jüngeren Leute ältere Risikopatienten infizieren können, befürchtet auch Gala: „Das ist in der Vergangenheit schon passiert und davor müssen wir aufpassen. Doch inzwischen haben die älteren Menschen auch gelernt, wie sie sich gut gegen das Virus schützen können.“

Wenn wir alle auf einen Impfstoff warten, dann können wir noch lange warten, bis wir wieder zur Normalität übergehen können.“

Jean-Luc Gala, Klinik Saint-Luc in Brüssel

Jean-Luc Gala hält es für wichtig, dass wir so schnell wie möglich wieder zum normalen Leben zurückfinden, auch wenn noch kein Impfstoff gegen Covid-19 auf dem Markt ist: „Wir können und nicht erlauben, noch monatelang zu warten. Die Leute verlieren ihr Einkommen und die Zahl der Selbstmorde steigt. Für einige Menschen wird das ganze untragbar. Wir müssen unsere Bevölkerung beschützen, doch auf eine Art und Weise, die für jeden erträglich ist.“  

Gala ist der Ansicht, dass es unterschiedliche Grade der Schwere bei Covid-19-Erkrankungen gebe: „Man muss deutlich zwischen leichten und schweren Fällen unterscheiden. Wenn man für ein paar Tage ins Krankenhaus muss, weil man hohes Fieber hat, ist das keine schwere Krankheit. Das wird erst problematisch, wenn man auf eine Intensivstation verlegt wird.“ Das heute die wenigsten Corona-Patienten überhaupt ins Krankenhaus müssen, stimmt Gala denn auch in dieser Hinsicht positiv. 

Jean-Luc Gala
Belga

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