Bundesarbeitsministerin Nathalie Muylle ist eine von 668 Belgiern in der offen gelegten Datenbank.

Datenleck: Belgische Minister, Unternehmer und Akademiker tauchen in chinesischer Datenbank auf

In einer Datenbank des chinesischen Technologieunternehmens Zhenhua sind die persönlichen Daten von u. a. Bundesarbeitsministerin Nathalie Muylle (CD&V), Bürgermeister Bart Tommelein von Oostende (Open VLD), vom Fraktionsvorsitzenden der N-VA Peter De Roover, aber auch vom verurteilten Islamisten Fouad Belkacem (Sharia4Belgium) aufgetaucht. Die Datenbank enthält die Personalien von insgesamt 668 bekannten und weniger bekannten Belgiern/innen.

Die Datenbank hatte des Weiteren die persönlichen Daten des wallonischen Parlamentsvorsitzenden Rudy Demotte (PS), des Brüsseler Ministers Bernard Clerfayt (Défi) und der ehemaligen Bundesministerin und christdemokratischen Parteivorsitzenden Joëlle Milquet (CDH) gespeichert. Auch die verurteilten Terroristen Abdelkader Hakimi und Mohamed Bakkali waren von dem chinesischen Technologieunternehmen gelistet worden.

Die Datenbank sammelte nicht nur Personalien, sondern auch Fotos, Mandate, Zeitungsartikel und andere relevante Informationen. Außerdem waren Kategorien angelegt worden wie „Person, die in Kontakt mit Politikern steht“, „Familie oder nahestehende Personen“, aber auch „Korruption“, „Betrug“ oder „Bestechung“.

Zhenhua schreibt auf seiner Website, u. a. für die Streitkräfte und die Staatssicherheit in China zu arbeiten.

Die chinesische Datenbank war von einem Mitarbeiter des Unternehmens an einen Dozenten der Fulbright Universität in Vietnam weitergegeben worden. Dieser Dozent, Christopher Balding, hat Nachforschungen über Zhenhua angestellt und die Datenbank gründlich analysieren lassen.

Listen, um Einfluss nehmen zu können

„Wir haben kein Sexvideo gefunden, wenn man das grob so sagen darf“, erklärte Balding der VRT-Nachrichtenredaktion: „Die Datenbank enthält keine Angaben, mit denen diese Personen unter Druck gesetzt werden können.“

„Wohl wichtig ist es festzustellen, dass die chinesischen Behörden Listen von Personen anlegen, die sie als einflussreich betrachten: Ein Tech-Unternehmen, das ihr Interesse weckt oder ein Politiker, den man chinafreundlicher stimmen kann.“

„Wir wissen alle, dass die chinesischen Behörden solche Listen innerhalb Chinas aufstellen. Aber wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass sie auch Systeme erarbeiten, um den Rest der Welt zu beobachten und zu kontrollieren.“

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