Biostatistiker Geert Molenberghs: „Belgien sollte sich ein Beispiel an Deutschland nehmen“

In Belgien wird am kommenden Mittwoch ein neuer Sicherheitsrat zur Coronakrise und der deutlichen Zunahme der Neuinfektionen auf der Tagesordnung stehen. Dort muss entschieden werden, ob auch hier strengere Maßnahmen notwendig sind. 

Der flämischen Biostatistiker Geert Molenberghs (Foto) hofft bereits jetzt, dass der Sicherheitsrat die Situation in den Ländern um uns herum in den nächsten Tag gut studieren wird. "Es ist schwierig für uns, unsere Politik auf eigene Faus zu betreiben, ohne unsere Nachbarn zu berücksichtigen. Ich hoffe, dass diese ordnungsgemäß geprüft wird. Denn zwischen den europäischen Ländern besteht eine große Kluft, sowohl was die Zunahme der Infektionen als auch was die Maßnahmen betrifft. Lettland, Finnland oder Zypern gehören beispielsweise zu den Klassenbesten, während Spanien dagegen mit einer Inzidenz von 270 Infektionen pro 100.000 Einwohner weit zurückliegt. In Madrid ist jeder vierte Test positiv." Zum Vergleich: In Belgien gibt es 88 Infektionen pro 100.000 Einwohner.

In den meisten Ländern machen sie die gleiche Analyse, sagt der Wissenschaftler: "Die Ursache des Wiederauflebens ist auf unsere sozialen Kontakte in informellen Kreisen und auf zurückkehrende Reisende zurückzuführen. Dies ist ein Grund mehr, die Nachbarländer genau im Auge zu behalten, zum Beispiel sollten wir uns vor Spanien viel mehr fürchten als vor Italien.

Molenberghs sieht auch, dass in vielen Teilen Europas nun eher regionale Maßnahmen ergriffen werden. "Dieser Rahmen ist auch bei uns seit dem Sommer in Kraft und wurde bereits angewandt, denken Sie nur an Antwerpen. Das könnten wir jetzt wieder tun, zum Beispiel in der Provinz Lüttich oder in Brüssel".

"Es wäre nicht fair, Belgien mit Finnland zu vergleichen, aber wir würden unser Bestes tun, um Deutschland zu spiegeln. Niemand ist perfekt, aber Deutschland ist ein realistisches Beispiel, ein viel besseres Beispiel als Spanien oder Frankreich. Die Deutschen haben es geschafft, die Epidemie über all die Monate unter Kontrolle zu halten. Ich glaube nicht, dass wir bisher das deutsche Beispiel wirklich genug studiert haben".

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