Intensivmediziner Geert Meyfroidt: Druck auf die Krankenhäuser kann im Nu steigen

Noch scheint der Anstieg der an Corona erkrankten Patienten, die in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssen, unter Kontrolle. Vorige Woche mussten im Schnitt jeden Tag 45 Patienten mit oder wegen Corona eingeliefert werden (30 in der Vorwoche). Gleichzeitig stieg wohl die Anzahl der positiv getesteten Personen um 62 Prozent auf, im Schnitt, 1.196 positiven Corona-Tests pro Tag. Intensivmediziner Dr. Geert Meyfroidt (UZ Leuven) befürchtet, dass sich die Entwicklung plötzlich beschleunigen kann.

„Jetzt haben wir noch Zeit, einzugreifen, um zu vermeiden, dass die Kurve exponentiell ansteigt“, sagte Dr. Meyfroidt am Montagmorgen im VRT-Radioprogramm De ochtend, „aber dann müssen wir jetzt handeln.“

Die Aussage klang wie ein Appel an den am am Mittwoch, 23. September geplanten Nationalen Sicherheitsrat, um Maßnahmen zu ergreifen und Schlimmeres zu vermeiden. Die letzte Zusammenkunft des Nationalen Sicherheitsrates hatte am 20. August stattgefunden.

Zu viel Zeit dazwischen? „Wir können es uns nicht erlauben, einen Monat vorbeistreichen zu lassen und keine Entscheidungen zu treffen", sagte Dr. Meyfroid im Radio. Das Timing sei jetzt wichtiger, als das, was man tue: „Es ist besser einzuschreiten, wenn die Zahlen niedrig sind. Dann kann man die Epidemie noch unter Kontrolle bekommen.“ Es ist noch nicht zu spät, aber dann muss jetzt gehandelt werden, so die Meinung des Intensivmediziners.

Dr. Meyfroidt befürwortet die geltenden Corona-Schutzmaßnahmen, denn sie würden tatsächlich helfen, die Virusverbreitung einzudämmen. „Es geht vielmehr darum, dass die Menschen verstehen, worum es hier geht und sie zu motivieren, sich an diesen Maßnahmen zu halten.“

„Eigentlich ist es ganz einfach. Es geht darum Abstand zu halten, eine Maske zu tragen, sich die Hände zu waschen. Aber insbesondere beim Abstandeinhalten tut jeder sich schwer. „Die Corona-Krise dauert schon so lange. Es geht nicht darum, strenger oder weniger streng aufzutreten. Wir müssen den Menschen wieder erklären, warum sie insbesondere den Abstand einhalten sollen und sie überzeugen mitzumachen. (…) Im März entstand aus der Krise heraus ein gemeinschaftliches positives Projekt. Jeder machte mit, dem Gesundheitspersonal wurde abends Applaus gespendet. Jetzt wird viel diskutiert und gestritten.“

Dr. Meyfroidt plädiert für eine neue Kommunikationsstrategie über die Corona-Maßnahmen, die die gesamte Bevölkerung wieder motiviert, sich an die Regeln zu halten.

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