VKA

Dekane und Mediziner fordern deutliche Corona-Regelungen

Die Dekane der 5 medizinischen Fakultäten der Universitäten in Flandern fordern vom Nationalen Sicherheitsrat und von den belgischen Gesundheitsbehörden deutliche Corona-Regelungen. Anlass dafür sind die steigenden Zahlen bei den Krankenhausaufnahmen von mit Covid-19 infizierten Personen. Auch der Löwener Intensivmediziner Prof. Geert Meyfroidt warnt davor zu warten, bis die Zahl der mit Corona-Patienten belegten Krankenhausbetten exponentiell steigt.

Die Dekane der 5 medizinischen Fakultäten in Flandern hoffen, dass sich die Politiker die steigende Kurve der Corona-bedingten Krankenhausaufnahmen genau anschauen, bevor sie einen neuen Maßnahmenkatalog verabschieden. „Die Zahlen können nicht länger ignoriert werden. Wir sehen, was jeder sieht aber nicht sagen will. Es sieht schlecht aus.“, so Piet Hoebeke gegenüber VRT NWS, Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Gent (UGent).

„Unsere erste Verteidigungslinie grenzt an ihre maximale Kapazität. Und dies noch vor dem Winterscenario mit seinen Atemwegserkrankungen. Und nach einem Sommer ohne Pause.“, schreiben die Dekane in einem offenen Brief an Behörden, Politik und Sicherheitsrat. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Auch die Testkapazitäten geraten langsam an ihr Limit. Die Labore können die steigende Zahl an Tests kaum noch verarbeiten und das Personal beißt auf die Zähne. Auch dort wird im Winter der Druck noch steigen.“

Die Dekane befürchten, dass die Krankenhausaufnahmen schnell und deutlich steigen werden, wenn nicht eingeschritten wird und sie gehen davon aus, dass das Coronavirus Covid-19 auch wieder in die Altenheime und die Pflegeeinrichtungen Einzug halten wird: „Deshalb wollen wir den Politikern ein starkes Signal senden. Wir haben keine Zeit mehr für halbe Sachen und für unklare Maßnahmen. Wir müssen die Zirkulation des Virus unter Kontrolle bekommen. Wir müssen lernen, vorauszuschauen und nicht erst zu reagieren, wenn die Probleme schon da sind.“

"Nicht nur auf die Krankenhauszahlen schauen, um die Maßnahmen anzupassen"

Ähnlich sieht dies auch Prof. Geert Meyfroidt (Foto unten), Intensivmediziner an der Universitätsklinik von Löwen (UZ Leuven). Am Dienstag befanden sich 486 Corona-Patienten in Krankenhäusern, von denen 87 auf Intensivstationen lagen: „Ich bin sicher, dass wir morgen (Mittwoch (Red.)) 500 Krankenhausaufnahmen erreichen und dass 100 Patienten intensiv behandelt werden müssen. Die Zahl der Krankenhausaufnahmen ist ein guter Barometer, wenn auch ein später. Wenn dort die Zahlen exponentiell steigen, dann ist es schon zu spät. Dann bekommen die Krankenhäuser Probleme.“

Meyfroidt sagte am Dienstag gegenüber VRT NWS, dass man die Ansteckungen im Auge behalten müsse, auch wenn diese nicht die gleichen seien, wie zu Beginn der Epidemie in Belgien: „Damals führten die Infizierungen zu echt kranken Menschen. Heute sieht das viel sensibler aus. Wir dürfen aufgrund der Infizierungen nicht in Panik geraten, doch wir müssen das im Auge behalten. Die Zirkulation des Virus nimmt zu und dadurch sollten wir mit Targets arbeiten, nach dem Motto: ‚Wenn wir diese Zahl erreichen, dann passiert das.‘ Das bietet uns die Möglichkeit, zeitig einzugreifen.“

Man müsse also die Frage stellen, wie voll die Krankenhäuser sein werden, wenn wir uns nicht mehr an die Corona-Maßnahmen halten, so der Löwener Intensivmediziner: „Man kann das auf die exponentielle Kurve durchrechnen. Das ist eine Zahl von Wochen und wir spüren, dass das kommt. Noch kein Krankenhaus hat eine Alarmstufe erreicht, doch in einigen Kliniken sind bereits 15 bis 25 % der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Das war vor drei Wochen noch nicht so. Es kann also schnell gehen. Das bedeutet, dass wir nicht zu spät eingreifen dürfen.“ 

Geert Meyfroidt

Meist gelesen auf VRT Nachrichten