Steigende Coronazahlen - Fachärzte: "Hausaufgaben machen!" - Experten: "Schweige-Streik"

Die aktuelle Corona-Statistik des belgischen Gesundheitsamtes Sciensano weisen auch an diesem Freitag wieder gestiegene Neu-Infizierungen mit dem Coronavirus auf. Auch die Zahl der Infizierten, die in einem Krankenhaus behandelt werden müssen, ist wieder angestiegen. Inzwischen wird der Ruf nach strengen Maßnahmen wieder lauter, denn man befürchtet einen Zustand, wie bei der ersten Viruswelle. Corona-Experten werden am Wochenende den Medien nicht zur Verfügung stehen. Sie fordern damit die Politik heraus, die sich zu oft hinter ihnen versteckt. Der Ansteckungsgrad in unserem Land liegt derzeit bei täglich über 150 Fällen pro 100.000 Einwohner. 

In der Woche zwischen dem 15. und dem 21. September wurden täglich durchschnittlich 1.476 neue Fälle bei rund 36.700 Covid-19-Tests am Tage registriert. Das ist ein Anstieg um 48 % gegenüber der vorherigen 7-Tage-Analyse. Der Ansteckungsgrad lag im Zeitraum 8. bis 21. September bei 156 Infizierungen auf 100.000 Einwohner. Das sind 144 % mehr als in den zwei Wochen davor.

Im Messzeitraum 18. bis 24. September wurden täglich etwa 62 neue Corona-Patienten in Krankenhäuser gebracht - 60 % mehr als zwischen dem 11. und dem 16. September (täglich rund 39 Aufnahmen). Am Donnerstag (24. September) registrierte Sciensano 84 zusätzliche Krankenhausaufnahmen.

Mehr Covid-19-Patienten im Krankenhaus

Ebenfalls am Donnerstag wurden 602 Patienten in Krankenhäusern behandelt. Das sind 9 % mehr als am Vortag. 104 von ihnen werden intensiv behandelt. Die Zahl der Todesfälle durch Corona bleibt aber weiter niedrig und liegt derzeit bei 4 Fällen pro Tag.

Seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie in Belgien haben sich 108.768 Personen mit dem Virus infiziert. 9.965 der Betroffenen starben an den Folgen dieses Virus. In der Region Brüssel-Hauptstadt wurden zwischen dem 15. und dem 21. September täglich rund 316 neue Infizierungen gemeldet, in Flandern 621 und in der Wallonie 503.

Hausaufgaben

Inzwischen sind mehr und mehr Fachleute besorgt über die Entwicklung mit Corona in Belgien. Roel Van Giel, Vorsitzender des Verbandes der Hausärzte, Domus Medica, und Jan Stroobants, der Vorsitzende des Verbandes der Notärzte und Geert Meyfroidt, Vorsitzender des Intensivmedizinerverbandes haben dem Nationalen Sicherheitsrat einen offenen Brief geschrieben.

In diesem Brief fordern sie, dass dieser „seine Hausaufgaben“ noch mal neumachen müsse: „Wir hatten auf eine sichere und adäquate Antwort auf eine für jeden  verständliche Art und Weise gehofft. Doch sowohl das Timing, als auch der Fokus von dem, was gesagt wurde, ist völlig verkehrt.“ 

Corona-Experten treten in den „Schweige-Streik“

Am kommenden Wochenende werden mehrere führende und bekannte Corona-Experten, wie Marc Van Ranst, Erika Vlieghe, Geert Molenberghs, Pierre Van Damme und Niel Hens einen „Schweige-Streik“ durchführen. Sie sind der Ansicht, dass sich die in Sachen Epidemie verantwortlichen Politiker drücken und sich nicht selten weigern, Interviews zu geben. Damit würden sie sich hinter den Virologen, Infektologen, Bakteriologen oder Intensivmedizinern verstecken.

Darum werden die in den kommenden Tagen selbst keine Interviews mehr geben. Sie legen aber Wert darauf, dass sich diese Aktion nicht gegen die Medien richtet, sondern, dass es sich hierbei um ein deutliches Signal an die Politiker handelt. Wollen die Medien am Wochenende etwas zur Gesundheitslage im Land wissen, dann sollen sie eben die zuständigen Politiker fragen. Ab Montag werde dieser „Schweige-Streik“ beendet und man werde dann wieder Informationen und Hintergründe verdeutlichen. 

Erika Vlieghe, Marc Van Ranst und Pierre Van Damme sind nur einige der belgischen Corona-Experten, die in den "Schweige-Streik" treten
Nicolas Maeterlinck

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