Rechtsextreme Vlaams Belang protestiert in Brüssel gegen die geplante Vivaldi-Koalition

Der Vorsitzende der rechtsextremen Partei Vlaams Belang, Tom Van Grieken, konnte rund zehntausend Flamen motivieren, um am Sonntag Richtung Brüssel zu fahren und gegen die Bildung der Regierung aus Sozialisten, Liberalen, Grünen und flämischen Christdemokraten zu protestieren. Die sogenannte Vivaldi-Koalition hat keine Mehrheit auf flämischer Seite.

Treffpunkt der Protestkundgebung war das Heizel-Gelände, das in ein Meer aus schwarz-gelben Fahnen getaucht wurde. Auf dem Parkplatz des Messegeländes wurden am Sonntagmorgen rund 4.500 Autos mit Vlaams-Belang-Anhängern gezählt (Zahlen der Brüsseler Polizei).

Es war die erste große Kundgebung der flämischen Rechtsextremisten seit der letzten 20 Jahre. 

„Das ist nur der Anfang einer Bewegung“, sagte Organisator Tom Van Grieken: „Die Abrechnung kommt 2024 bei den nächsten Wahlen. Bei den Parlamentswahlen 2019 hat Flandern rechts gewählt, die Wallonie links. Es ist unmöglich, eine belgische Regierung zu bilden, die beide Seiten zufriedenstellt. Hier geht’s nicht mehr um eine politische Krise, sondern um eine Systemkrise“, reagierte Van Grieken im Nachrichtenmagazin De zevende dag: „Jeder muss seinen eigenen Weg gehen“, schlussfolgerte der Vlaams-Belang-Vorsitzende, dessen Partei zurzeit den Wind in den Segeln hat. 

Reaktion der N-VA


Van Grieken hatte auch die Anhänger der flämischen Nationalisten (N-VA) aufgefordert, an seiner Seite zu demonstrieren. „Hier sind nicht nur Mitglieder des Vlaams Belang anwesend, sondern auch viele unzufriedene lokale N-VA-Mandatsinhaber, verärgerte Liberale und Christdemokraten.“

Zu Gast in De zevende Dag gab der Vorsitzende der N-VA, Bart De Wever, zu, dass Vlaams Belang eine beeindruckende und clevere Aktion gelungen sei.

De Wever bestätigte, dass er rechts von seiner nationalistisch-konservativen Partei besonders wachsam sein müsse: „Als Partei ist Vlaams Belang attraktiv, aber sie hat es nicht geschafft, sich als Partner für andere Parteien attraktiv zu machen. Sie ist und bleibt eine rechtsextreme, ausländerfeindliche Partei, die einige unerträgliche Figuren in ihrer Mitte dulde.“

Die Partei sei ein Kühlschrank für die Stimmen der Wutbürger, was nur dem linken Parteienspektrum nütze, findet De Wever.  Dessen N-VA ist von der Anzahl Stimmen her seit einigen Jahren die größte Partei in Belgien.

Der Vorsitzende will seine Partei gegenüber dem extremen Ufer von rechts und links positionieren sowie gegenüber den traditionellen Parteien, die für den Wähler zum Einerlei zu werden drohen.

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