Das Ende einer Ära: Die P&O-Fährverbindung zwischen Zeebrügge und Hull wird eingestellt

Nach fast 46 Jahren stellt die britische Reederei P&O ihre traditionsreiche Fährverbindung zwischen Zeebrügge und Hull im Norden Englands ein. Jede Nacht fuhr bisher eine Fähre pro Nacht und pro Richtung über die Nordsee. Die letzten Fähren werden ab dem Jahresende an ihrem Ankerplatz bleiben. Der Tourismussektor in Westflandern ist entsetzt über die Meldung, dass diese Fähren bald nicht mehr fahren werden. 

Wenn die Fährverbindung Zeebrügge-Hull zum Jahresende eingestellt wird, dann gibt es keine Fährverbindung mehr für den Personenverkehr zwischen Belgien und Großbritannien. Diese letzte Fährverbindung war 46 Jahre lang auch bei Touristen beliebt, sowohl bei den Belgiern, als auch bei den Briten. Man ging Abends in Hull oder Zeebrügge an Bord, aß und schlief auf dem Schiff und konnte am anderen Morgen an seinem Ziel losfahren.

Während der Coronakrise blieben die beiden zu diesem Zweck genutzten P&O-Fähren in den Häfen und erst seit August fährt eine von ihnen hin und her. Doch es sind kaum Reisende an Bord, denn wenn man vom Festland aus nach Großbritannien fährt, muss man sich dort zwei Wochen lang in Quarantäne begeben. Dieser Umstand sorgt dafür, dass die Fährverbindung derzeit nicht mehr rentabel ist und deshalb eingestellt wird. Jetzt kann man nur noch von Rotterdam aus per Fährdienst nach Großbritannien reisen.

Brügge und die Tourismusverbände überrascht

Bei der Stadtverwaltung von Brügge ist man verärgert. Zum einen ist niemand von dem Vorhaben im Vorfeld unterrichtet worden und zum anderen werden dadurch wohl deutlich weniger britische Touristen in die Stadt kommen. Brügges Stadtverordneter für den Fremdenverkehr, Philip Pierins (SP.A), sagte dazu gegenüber VRT NWS, dass die große Folgen habe: „Vor Corona kamen jeden Tag hunderte Briten für einen Tagesausflug hierher, um die Stadt zu besuchen. Dabei gaben sie hier Geld aus.“

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Ein weiteres Problem sind die zahlreichen belgischen Mitarbeiter von P&O, doch bei der Reederei heißt es dazu, dass die meisten von ihnen weiter für den Güterverkehr eingesetzt werden, denn die täglichen und nächtlichen Fracht- und LKW-Fähren fahren weiter.

Enges Band zwischen Brügge und England

Auf lange Sicht hin, so hofft man in Brügge, werde sich die Sache schon einlenken. Davon geht Schöffe Pierins jedenfalls aus: „Brügge und England haben immer schon ein besonderes Band gehabt. Schon seit dem Mittelalter. Ich glaube jetzt nicht, dass alle Engländer jetzt beschließen, dass sie nicht mehr hierherkommen, nur weil P&O nicht mehr von Hull nach Zeebrügge fährt. Ich bin überzeugt davon, dass sie andere Wege finden, um hierher zu kommen. Das erfordert natürlich eine neue Herangehensweise für unser Tourismusamt.“

Auch der Gedenktourismus zu den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs in Westflandern wird wohl unter der Einstellung dieser Fährverbindung leiden, denn von den zehntausenden Briten, die jährlich z.B. nach Ypern zur Last Post und zum „Talbot-House“ nach Poperinge kommen oder die den einen oder anderen Soldatenfriedhof in der „Westhoek“ besuchen, kommt nach Angaben des westflämischen Tourismusverbandes „Westtoer“ etwa jeder 4. aus dem Norden Englands oder aus Schottland.

Andere Wege finden

Viele davon reisen wohl bisher mit der Hull-Fähre über Zeebrügge an. In Ypern jedenfalls werde man alles daran setzen, die britischen Touristen weiter nach hier bringen zu können… Die Briten müssen jetzt andere Wege finden, um nach Westflandern zu kommen. Sie können mit Fähren über Rotterdam in den Niederlanden oder über Calais in Nordfrankreich anreisen oder auch mit dem Eurostar-Zug über Amsterdam und Brüssel, doch diese Reisewege sind unter Umständen länger als mit der P&O-Fähre über Hull.

Doch unter der Einstellung dieser Fährverbindung haben auch britische Städte wie Hull selbst oder auch York zu leiden. Bis zu 400.000 Belgier nahmen vor Corona diese Fähre und viele davon besuchten auch diese herrliche Stadt in der Grafschaft North Yorkshire mit ihrer mittelalterlichen Kathedrale York Minster, dem Clifford’s Tower oder dem Nationalen Britischen Eisenbahnmuseum (NRM).  

Zeebrugge-Hull

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