Delphine von Sachsen-Coburg Gotha: "Es ging mir nie um Geld oder um königliche Titel"

Prinzessin Delphine (Boël), die uneheliche Tochter von Belgiens Ex-König Albert II., hat sich einige Tage nach dem Urteil, dass ihr den Namen ihres Vaters, von Sachsen-Coburg-Gotha, zugesteht, an diesem Montag zum ersten Mal gegenüber der belgischen Presse geäußert. Dabei gab sie zu verstehen, dass es er bei dem langen Rechtsstreit gegen ihren Vater niemals um Geld oder Titel gegangen sei, sondern nur um Anerkennung. Sie wolle lediglich so behandelt werden, wie ihre Halbgeschwister, so die "neue" Prinzessin. 

Doch sie sei auch sehr enttäuscht, denn sie habe sich erhofft, dass sie von ihrem Vater, Ex-König Albert II., aus eigenen Stücken heraus anerkannt werde. Sie habe ihm alle Chancen gegeben, um hier als Mann und Vater stehen zu können, doch er habe sie bis heute "verraten". 

In einem Gespräch mit VRT NWS sagte Prinzessin Delphine, die in jahrelangen Verfahren vor Gericht erstritten hatte, offiziell anerkannt zu werden - was erst durch ein Berufungsurteil in der vergangenen Woche geschah (siehe nebenstehenden Bericht), sie habe eigentlich nicht mehr daran geglaubt, dass es noch so weit kommen würde: "Als das Resultat des DNA-Tests deutlich machte, dass Albert mein Vater ist, sind wir nicht sofort vor die Presse gegangen. Wir haben uns zurückgehalten, damit er die Chance hatte, sich zu äußern und als ein großer Mann aus der Sache rauszukommen. Vielleicht hätten wir das zusammen machen sollen. Dann wären wir beide die Gewinner gewesen."

Er sagte, dass er mich niemals wirklich als seine Tochter angesehen hat. Das fühlte sich so an, als ob mit jemand ein Messer in den Rücken gestoßen hätte.“

Prinzessin Delphine von Sachsen-Coburg Gotha

Doch die Reaktion des ehemaligen Königs fiel nicht so aus, wie sie erwartet hatte. Er ließ seinerzeit lediglich wissen, dass er nicht länger anzweifeln werde, dass er ihr leiblicher und demnach gesetzlicher Vater sei und dass er dies in seinem Testament berücksichtigen werde. Doch er gab auch zu verstehen, dass eine juristisch bestätigte leibliche Vaterschaft nicht unbedingt auch eine biologische Vaterschaft bedeute.

Dies enttäuschte Prinzessin Delphine zutiefst, wie sie gegenüber VRT NWS andeutete: "Er sagte, dass er mich niemals wirklich als seine Tochter angesehen hat. Das fühlte sich so an, als ob mit jemand ein Messer in den Rücken gestoßen hätte. Ich fühlte mich so verraten. Danach dachte ich, wenn das der Fall ist, dann will ich exakt das gleiche, wie meine Brüder und meine Schwester. Ich will nicht die sein, die immer als 'die andere' angewiesen wird. Darum ging es mit. Ich wollte auf gleicher Ebene stehen."

Recht auf ein Teil von Alberts Erbe aber nicht auf eine staatliche Dotation

Delphine Boël gibt auch zu verstehen, dass es ihr niemals darum gegangen sei, mit "Königliche Hoheit" angesprochen zu werden: "Das ist nicht mein Stil". Sie wird auch weiter daran festhalten, ihre Kunstwerke mit "Delphine" zu unterzeichnen, wie dies immer gemacht hat. Am Montagmorgen hatte sie in einem Gespräch mit unseren frankophonen Kollegen der RTBF-Sendung "Matin première" auch angedeutet, dass sie nicht davon ausgehe, dass sie diese Geschichte als Künstlerin weiterbringen wird: "Ich bin als Künstlerin schon anerkannt und gefestigt."   

Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich das Recht habe, zu existieren.“

Prinzessin Delphine von Sachsen-Coburg Gotha

Delphine ist aber insgesamt zufrieden mit dem Weg, den sie bisher zurückgelegt hat, um zu bekommen, was ihr zusteht: "Ich bin wirklich zufrieden. Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich das Recht habe, zu existieren. Mein Entschluss, mithilfe des Gesetzes und der Justiz zu meinem Recht zu kommen, war die richtige Entscheidung. Ich habe den richtigen Weg gewählt. Sie haben mir Recht gegeben. Ich habe das Recht, so anerkannt zu werden, wie die anderen Kinder von Albert II."

Von ihrem Vater, vom Königshaus oder von ihren Halbgeschwistern habe sie allerdings noch nichts gehört. Niemand habe bisher mit ihr Kontakt aufgenommen. Das bedauert sie: "Ich erwarte nichts mehr. Ich habe jahrelang versucht, die Sache hinter verschlossenen Türen zu regeln. Doch das wurde blockiert. Ich war das störende schwarze Schaf. Es war schwer für mich, so zu leben…" 

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