Krisenzentrum: "Die Lage ist ernst" - Viele über 90-Jährige von der neuen Welle betroffen

„Die Situation kann nicht länger relativiert oder minimalisiert werden“, sagte der Virologe Steven Van Gucht (Foto), Leiter des Gesundheitsamtes Sciensano und Mitglied im belgischen Corona-Krisenzentrum angesichts der weiter stark ansteigenden neuen Ansteckungen mit Covid-19. Menschen aller Altersklassen und aus allen Provinzen würden sich infizieren und damit zeige unser Land die gleichen Entwicklungen wie die Niederlande oder Frankreich.

Die höchste Zahl aller Ansteckungen mit dem Coronavirus würde sich vor allem bei den rund 20-Jährigen zeigen, gefolgt von den älteren Teenagern, so Van Gucht bei der Pressekonferenz des Zentrums am Montag: „Die Zahl der Ansteckungen nimmt zwar vergleichsweise mit zunehmendem Alter ab, steigt jedoch wieder beim älteren Teil der Bevölkerung. Wir beobachten unter anderem einen besorgniserregenden Anstieg bei den über 90-Jährigen.“

Seit Anfang September habe sich die Zahl der Corona-Ansteckungen in dieser Altersklasse fast verzehnfacht: „Das ist sehr beunruhigend, denn es handelt sich hier um eine sehr schwache Altersklasse.“

Die Zunahme zeigt sich in allen Provinzen Belgiens, doch im Augenblick scheinen die wallonischen Provinzen am stärksten von dem neuen Anstieg betroffen zu sein, wie Virologe Van Gucht erklärt: „Auffallend sind Namür mit plus 95 % und Luxemburg mit plus 67 % Infizierungen innerhalb von 7 Tagen. Die höchste Zahl aber stellen wir nach wie vor in der Region Brüssel-Hauptstadt fest mit 466 neuen Fällen pro Tag.“

Regionale Unterschiede

Das ist ein Anstieg um 37 %.“ Hier sind die 4 Brüsseler Gemeinden Sint-Jans-Molenbeek, Brüssel-Stadt, Schaarbeek und Anderlecht am stärksten betroffen. Aber auch die Provinz Antwerpen bleibt mit 294 Infizierungen pro Tag weiter anfällig.

Sciensano und das Krisenzentrum machen sich auch Sorgen um die Zunahme der Aufnahme von neuen Corona-Patienten in den Krankenhäusern. Im Zeitraum 25. September bis zum 1. Oktober wurden täglich rund 77 Patienten in Krankenhäusern aufgenommen, so Van Gucht: „Das ist ein Anstieg um 21 % gegenüber der Woche davor. Auch die Zahl derer, die auf Intensivstationen liegen, steigt weiter. Derzeit werden 186 Patienten intensiv behandelt. Das sind 38 % mehr als letzte Woche.“

Knapp ein Drittel davon werden in Brüssel behandelt. 33 Covid-Patienten liegen in Antwerpener Kliniken, 27 in der Provinz Lüttich und 18 jeweils in Ostflandern und Hennegau. 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten