Sanda Dia: Tödliche Studententaufe auf der Titelseite der New York Times: "Rassismus in Flandern"

Die amerikanische Tageszeitung New York Times hat die Geschichte der tödlich verlaufenen Studententaufe des im Jahr des Vorfalls 20 Jahre alten Sanda Dia (Foto) auf die Titelseite gesetzt, legt dabei einen Link zum Rasissmus und nennt seinen Tod „ein Symbol für die wachsende Intoleranz“ in unserem Land.

Sanda Dia aus Edegem in der Provinz Antwerpen wollte an der Löwener Universität (KU Leuven) Zivilingenieur werden und er wollte Mitglied von der Studentenvereinigung „Reuzegom“ werden, in der sich junge Leute aus der Antwerpener Gegend, die in Löwen studieren, treffen. Dazu musste er sich 2018 einem Taufritual unterziehen. Dieses dauerte zwei Tage und Dia überlebte dieses brutale Ritual nicht.

Dieser Fall sorgte für Schlagzeilen in Belgien und derzeit laufen noch immer Ermittlungen mit dem Ziel, die Verantwortlichen vor Gericht zu ziehen. „Reuzegom“ hat sich inzwischen aufgelöst und die damaligen Mitglieder sind fast allesamt aus „bestem Hause“ mit Beziehungen nach „ganz oben“. Jetzt, zwei Jahre danach, hat der Fall auch die Weltpresse erreicht und die New York Times hat die Sache aufgegriffen.

Dort heißt es, dass im belgischen Bundesland Flandern der Rassismus stärker werde und dies „mit einer weißen Elite, die unantastbar zu sein scheint.“ Auf dem Campus und in den Studentenvereinigungen spiegele sich ein Konservatismus wieder, „in der eine nationalistische Bewegung, die offen rassistisch sei, wächst.“ 

Elitäre Studentenvereinigungen im Zwielicht?

„Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass Herr Dia absichtlich getötet worden ist, doch er ist der einzige Schwarze der getauft wurde und er ist der einzige, der dabei starb“, so New York Times weiter. Das Blatt lässt auch Dias Vater, Ousmane Dia, zu Wort kommen: „Sie dachten wohl, dass ist einfach nur ein schwarzer Kerl. Uns kann nichts passieren.“

Eine vor Jahren aus Simbabwe eingewanderte Studentin sagte gegenüber dem renommierten Blatt, dass jeder, der in Flandern die Sprache lerne, hart arbeite und ein Diplom erziele, weiterkommen könne: „Studentenvereinigungen können dabei als Eintrittskarte zu einer erfolgreichen Karriere angesehen werden.“

Netzwerken war der Rat, den Sanda Dia zuvor von seinem eigenen Bruder bekommen hatte und was den Ausschlag dafür gab, sich ausgerechnet dem elitären Club „Reuzegom“ anzuschließen. In diesem Fall ist gerade übrigens eine neue Reihe an Ermittlungen in Gang gebracht worden.

Der Fall Sanda Dia und die Schlagzeilen von New York Times bringen Belgien international in Verlegenheit. Das Blatt fasst eine entsprechende Artikelreihe unter dem Titel „Rassen und Rassismus in Belgien" zusammen und legt den Fokus auf die brutale koloniale Vergangenheit unseres Landes, auf den Zwiespalt zwischen Flamen und Wallonen und auf das „Wiederauferstehen“ der rechtsextremen Partei Vlaams Belang.  

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