BELGA

Steigende Corona-Werte in Belgien: "Wenn das Haus in Flammen steht, dann muss man doch etwas tun!"

Die Zahl der neuen Ansteckungen mit dem Coronavirus Covid-19 steigt in Belgien weiter und liegt inzwischen bei täglich rund 2.100 registrierten Fällen. An einigen Tagen in der vergangenen Woche lag dieser Wert sogar bei über 3.000 Fällen. Inzwischen stehen einige Brüsseler Krankenhäuser unter Druck und die dortige Gemeinde Molenbeek verschärft ihre. Gesundheitsexperten fordern eine neue Infokampagne zu Corona und auch neue Regelungen von der neuen belgischen Bundesregierung. 

Im Zeitraum 25. September bis 1. Oktober haben sich in Belgien täglich durchschnittlich 2103 Personen mit Covid-19 infiziert. Das sind 32 % mehr als im vorherigen 7-Tage-Messzeitraum. In Brüssel stieg die Zahl der neuen Ansteckungen und der positiven Coronatests sogar um 37 % auf regional 465 Ansteckungen pro Tag.

Die Zahl der Corona-Patienten, die in Krankenhäusern aufgenommen werden müssen, bleibt mit täglich rund 77 Einlieferungen recht stabil, doch von den derzeit 866 Betten, die mit solchen Patienten belegt sind, sind 186 Intensivbetten.

In der Brüsseler Hauptstadt-Region sind 250 Krankenhausbetten mit Corona-Patienten belegt, von denen rund 50 auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Das setzt einige Kliniken bereits unter Druck und Patienten müssen in andere Kliniken verlegt werden. Mitunter werden auch bereits nicht dringende Operationen von „normalen“ Patienten verschoben, weil das Krankenhauspersonal wieder vermehrt Corona-Patienten betreuen muss.

Inzwischen haben sich nach Angaben des belgischen Gesundheitsamtes Sciensano 130.235 in unserem Land mit dem Virus infiziert. Davon sind 10.064 Personen gestorben. Zwischen dem 25. September und dem 1. Oktober starben täglich rund 9 an Corona erkrankte Personen pro Tag. Damit steigt auch dieser Wedrt deutlich.

Maßnahmen in Molenbeek

Im Brüsseler Stadtteil Sint-Jans-Molenbeek liegt der Wert der Inzidenzen bei 744 Infizierungen pro 100.000 Einwohnern - ein Spitzenwert in ganz Belgien. Deshalb hat die dortige Bürgermeisterin Catherine Moureaux (PS) für ihre Kommune strengere Maßnahmen verfügt.

Hier wurde die erlaubte Zahl der engen Kontakte eines Haushalts wieder auf 5 zurückgebracht, Hochzeiten dürfen nur noch durch enge Angehörigen beigewohnt werden, Feiern - auch privater Natur -  sind nicht mehr erlaubt, wenn dort mehr als 5 Personen eingeladen sind und Sportveranstaltungen können nur noch ohne Publikum stattfinden.

Auch in der Gastronomie dürfen dort nur noch höchstens 5 Personen an einem Tisch sitzen. Für Beerdigungen stellt die Kommune Säle zur Verfügung, damit Großfamilien gemeinsam aber mit Abstand zueinander trauern können. Nach 3 Wochen will der Kommunalrat von Molenbeek diese Maßnahmen analysieren.

„Wenn das Haus in Flammen steht, dann muss man doch etwas tun!“

Die Infektologin Erika Vlieghe (Foto unten) ist der Ansicht, dass es angesichts stark und schnell steigender Ansteckungszahlen wieder zu einer umfassenden Informationskampagne zu Corona kommen müsse. Fakt sei, so Vlieghe, dass selbst an Covid-19 erkrankte Personen nicht wirklich wissen, wo die Gefahren dieser Krankheit für sich und für andere liegen.

Es sei genau diese Unwissenheit, die dazu führe, dass die Zahlen seit Wochen wieder im großem Maße steigen. Gegenüber VRT NWS sagte Vlieghe am Montagmorgen: „Wenn das Haus in Flammen steht, dann muss man doch etwas tun!“ Die Frage ist, ob die neue belgische Bundesregierung in dieser Woche einige Corona-Maßnahmen wieder verschärfen wird. 

Erika Vlieghe

Meist gelesen auf VRT Nachrichten