AFP or licensors

Anerkennung als Prinzessin ist für Delphine kein gutes Geschäft

Seit das Berufungsgericht anerkannt hat, dass König Albert II. der Vater von Delphine von Sachsen-Coburg (ehemals Delphine Boël) ist, hat die neue Prinzessin auch Anspruch auf einen Teil des Erbes. Wer die Vermögenslage von König Albert und die der Industriellenfamilie Boël kennt, glaubt zu wissen, dass Delphine finanziell keine Vorteile aus dem „Familienwechsel“ schöpft, weil sie als Nachkomme der milliardenschweren Boëls  vielmehr geerbt hätte. Aber das stimmt nicht so ganz, hat Finanz- und Vermögensspezialist Ludwig Verduyn herausgefunden.

Wie groß ist das Vermögen der Boëls?

Das Vermögen der Familie Boël wird auf circa 1,6 Milliarden Euro geschätzt. Sie steht heute auf Platz 16 der reichsten Familien in Belgien, direkt unter dem Verlagsmagnaten Christian Van Thillo und über Fernand Huts von dem Hafenbetrieb Katoen Natie.

Die Familiengeschichte beginnt 1880 mit Gustave Boël, Buchhalter bei Ernest Boucquéau, einem kinderlosen Stahlfabrikanten. Sein Buchhalter erbt alles.

1997 konnten die Boëls das Familienunternehmen für rund 125 Millionen Euro verkaufen und ihr Geld investieren, u. a. in die Supermarktkette Colruyt. Damals haben sie auch die Grundlage des Familienvermögens gelegt.

Die Boëls haben ihr Geld auch in digitale Unternehmen investiert, u. a. in Zalando und Amazon. Sie konnten es auf 1,6 Milliarden Euro vermehren. Bemerkenswert ist auch, dass die Familie immer interessante Verbindungen eingegangen ist, indem in andere Familien mit Vermögen und Macht eingeheiratet wurde, hat Ludwig Verduyn bei seinen Recherchen herausgefunden.

Wie groß ist das Vermögen von König Albert II.?

König Boudewijn (links) mit seinem Neffen Filip , dem jetztigen König

Die Schätzungen gehen auseinander, sagt Ludwig Verduyn: „Palastquellen zufolge soll sich sein Vermögen auf nicht mehr als 12,5 Millionen Euro belaufen. Andere Quellen gehen von 300 bis 600 Millionen Euro aus."

Dass die Schätzungen so weit auseinanderliegen, hat mit der Abwicklung des Nachlasses von König Boudewijn in den USA zu tun. Er konnte die belgischen Erbschaftsgesetze umgehen und Steuern hinterziehen, wie der Chefredakteur des flämischen Nachrichtenmagazins Knack,  Rik Van Cauwelaert, vermutete.

„Später haben die Journalisten Gui Polspoel und Paul Van den Driessche in einem Buch behauptet, dass das Vermögen von Boudewijn bereits 1982 ins Ausland gebracht wurde. Der König habe damals von der Abwertung des belgischen Franken gewusst. Deswegen ist nicht bekannt, wie viel Geld König Albert tatsächlich geerbt habe.“

Darf Delphine von Sachsen-Coburg noch von der Familie Boël erben?

James Arthur Photography

Die neue Prinzessin dürfte so gut wie keinen Anspruch mehr auf das Erbe ihres Vaters Jacques Boël haben. Sie wurde von ihm formell enterbt, damit sie vor Gericht als Tochter Alberts II. anerkannt werden konnte.

Interessant: Selbst wenn es nie zu einem Fall Boël gekommen und Delphine die Tochter von Jacques Boël geblieben wäre, hätte Delphine von Sachsen-Coburg, laut Verduyn, nie mit einer Erbschaft von Jacques Boël rechnen müssen. „Die Familie Boël hat aus geschäftlichen Interessen stets gute Kontakte zur königlichen Familie gepflegt".

„Delphine ging aus der Affäre zwischen Sybille de Selys Longchamps, der Frau von Jacques Boël, und Albert II. hervor", sagt der Finanz- und Vermögensexperte in einem Interview mit VRT NWS. „Um seine Geschäftskontakte nicht zu gefährden, hat Jacques Boël, unter dem Deckmantel der Liebe, Delphine als seine Tochter anerkannt.“

Verduyn glaubt auch zu wissen, dass Jacques Boël alles dafür getan hätte, dass das Familienvermögen niemals an Delphine geflossen wäre.

Delphines Mutter: Sybille de Selys Longchamps
BELGA

Darf Prinzessin Delphine jetzt von den Sachsen-Coburgs erben?

Geht man von der Mindestschätzung von 12,5 Millionen Euro aus, hat Delphine das Recht auf ein Viertel der Hälfte dieses Betrags", sagt Verduyn und hat ausgerechnet, dass sie circa 1,5 Millionen erben würde.

Die Wirtschaftszeitung De Tijd will herausgefunden haben, dass Albert II. und Paola ihren Ehevertrag geändert haben, was sich zu Ungunsten von Delphine von Sachsen-Coburg auswirken soll. Stirbt Albert II., soll ein möglichst großer Teil seines Vermögens an Paola gehen. Nach ihrem Tod würde ihr Vermögen an ihre ehelichen Kinder, König Philippe, Prinzessin Astrid und Prinz Laurent, gehen.

Prinzessin Delphine würde also einen Teil des Vermögens von König Albert nicht erben. Sie könnte es dann wohl einklagen.

Belga

Meist gelesen auf VRT Nachrichten