Chefärztin Intensivstation UZ in Brüssel: Betten für Corona-Patienten fast alle belegt

Die Chefärztin der Intensivstation im UZ Brussel, Elisabeth De Waele, warnt, dass die Krankenhäuser der Region Brüssel-Hauptstadt mit Corona-Patienten so gut wie ausgelastet sind. Die Verteilung von Corona-Patienten auf Krankenhäuser außerhalb der Region muss die Brüsseler Einrichtungen dabei unterstützen, die Behandlung anderer Patienten zu gewährleisten.

Die aktuelle Corona-Lage unterscheide sich deutlich von der Lage im April dieses Jahres, erklärte Chefärztin De Waele (Foto oben) im TV-Magazin De afspraak: „Damals haben wir alle Patienten aufgenommen, da wir den Verlauf der Erkrankung nicht kannten. Jetzt können wir, dank der Behörden und der Corona-Pläne, auch eine bessere Verteilung der Patienten zwischen den Krankenhäusern vornehmen.“

Für die belgischen Krankenhäuser sind die Verteilungspläne sehr wichtig, denn nur so gelingt es ihnen, die Zunahme der Corona-Patienten zu verwalten und auch Patienten zu versorgen, die nicht wegen einer Corona-Ansteckung eingeliefert werden.

Intensivstationsfacharzt Geert Meyfroidt vom UZ Leuven  (Foto unten)  bestätigt die Strategie, seiner Facharztkollegin in Brüssel im Radioprogramm De ochtend am Dienstagmorgen: „Im März waren wir durch die Corona-Patienten derart überfordert, dass wir alle anderen medizinischen Dienste stilllegen mussten. Das darf sich nicht wiederholen, denn viele andere Patienten sind in diesem Fall die Leidtragenden.

Verteilung von Corona-Patienten

Laut der Verteilungspläne muss jedes Krankenhaus zunächst 15 Prozent Betten auf der Intensivstation für Corona-Patienten freihalten.

In Brüssel werden viele Krankenhäuser bereits mit der zweiten Phase der Zunahme konfrontiert. Dort sind ein Viertel der Betten auf den Intensivstationen inzwischen mit Corona-Patienten belegt. 

Brüsseler Gesundheitsminister Maron nicht alarmiert

Dass der Brüsseler Gesundheitsminister Alain Maron (Ecolo) den Belegungsgrad als „nicht alarmierend“ bezeichnete, kommentierte De Waele als „äußerst unangenehm“. Bereits jetzt gäbe es Patienten mit einem Hirntumor für die kein Bett auf der Intensivstation mehr gefunden werden kann. „Es stimmt also nicht, dass die Lage sich nicht auf die Krankenhäuser auswirkt. Wir schaffen es bald nicht mehr. Wenn der Minister Entwarnung gibt, glauben viele Leute noch, dass es wohl nicht so schlimm ist. Das stimmt aber ganz und gar nicht.“

Kein Verständnis für Bürgermeister von Aalst, der Brüsseler Patienten weigern will

In den Krankenhäusern von Aalst im Nordosten von Brüssel spürt man den Druck der Corona-Epidemie, da Brüsseler Krankenhäuser Corona-Patienten nach Aalst verlegen. Bürgermeister Christophe D’Haese (N-VA) sagte am Montag, es gäbe Grenzen bei der medizinischen Solidarität.“

Der Leuvener Intensivfacharzt Meyfroidt gab dem Bürgermeister Kontra: „Es geht hier nicht um „von Brüssel nach Aalst“. Das Krankenhaus von Aalst gehört einem Netzwerk von Krankenhäusern an, die einander helfen werden. Das geht auch in die umgekehrte Richtung.“ Meyfroidt zweifelte, ob der Bürgermeister die Vereinbarung zwischen den Krankenhäusern überhaupt kenne.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten