Verschärfte Corona-Maßnahmen für Brüsseler Bars und Cafés: Groll und Grauzonen

Seit Donnerstagmorgen müssen die Bars und Cafés in der Brüsseler Hauptstadt-Region einen Monat schließen. Diese Maßnahme soll die Verbreitung des Corona-Virus stoppen. Noch immer herrscht Undeutlichkeit darüber, wer genau von der Maßnahme betroffen ist und also eine Prämie von 2.000 Euro erhalten darf.

Der Vertreter des Brüsseler Gaststättenverbandes, Marc Van Muylders, bemängelte, dass keine Klarheit für Cafés herrsche, die beispielsweise auch Snacks zubereiten und servieren oder ein Tagesmenü anbieten. „Und warum die Teestuben und Kaffeebars in einer Shoppingstraße schließen? Dort ist der Abstand doch perfekt möglich!“, reagiert Van Miulders.

Die Behörden hätten besser den NACE-Code verwenden sollen. Dieser würde ein objektive Grundlage für die Schließung bilden: „Unsere Verbandsmitglieder befolgen gerne die Vorschriften, müssen sich eine solche Entscheidung aber reiflich überlegen. Schließlich fragt man sie nicht, den Betrieb nur einen Tag, sondern einen ganzen Monat einzustellen.“

Belgische Brauer fordern Fakten für die Maßnahme

Der belgische Brauerverband hat die Behörden aufgefordert, Fakten vorzulegen, um die vierwöchige Schließung der Gaststätten in Brüssel begründen zu können. Statistiken aus dem Ausland hätten bewiesen, so der Verband Belgische Brouwers, dass nicht die Gaststätten zu den Brandherden gehören würden.

„Daten, die beweisen, dass Cafés die Hotspots der Corona-Ansteckungen sind, fehlen komplett“, so der Verband. Mehr noch, offizielle Zahlen aus den Niederlanden hätten ergeben, dass nur 3 % der Ansteckungen in einer Gaststätte stattfanden.

Cafés schließen, Restaurants nicht: unerklärlich

Den Unterschied zwischen einerseits Cafés, Bars und Teestuben und andererseits Restaurants und Snackbars, den die Brüsseler Behörden machen würden, sei unerklärlich, ärgerte sich der belgische Brauerverband weiter. Wegen der vielen Mischformen im Gaststättenbereich sei das Chaos vorprogrammiert.

Bittere Pille auch für die Brauereien

Nicht nur das Gaststättengewerbe sei getroffen, sondern auch ihre Lieferanten: „Seit Ausbruch der Krise hat der gesamte Sektor einen brutalen Umsatzrückgang erlebt. Die Wiedereröffnung der Lokale nach dem ersten Lockdown hätte den Verlust für 2020 noch abbremsen können. Mit dieser neuen Maßnahme geht der Hoffnung aber die Luft aus.“

Mittelstandsvereinigung Unizo: Brüsseler Cafés müssen für das schlechte Krisenmanagement bezahlen

Die Regierung hat es nicht geschafft, ihre Bevölkerung besser zu sensibilisieren“, sagt Anton Van Assche von Unizo; „Sie hätte gezielter gegen Kunden und Lokale vorgehen sollen, die sich nicht an die Regeln hielten.“ Was die Ahndung von Verstößen und die Nachverfolgung von Kontakten betreffe, sei die Region gescheitert.

Der Mittelstandsverband fordert von den Behörden zusätzliche Unterstützungen, um die Verluste auszugleichen.

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